Callisto oder die Kunst des Rasenmähens

Autor: Torsten Krol
Genre: Roman
Verlag: Blessing
ISBN: 978-3-89667-351-0
Erscheinungsdatum (D) August 2007 Erschienen 2007
Seiten 512
Übersetzung Gunnar Kwisinski

Callisto oder die Kunst des Rasenmähens Callisto

Inhalt

Eigentlich wollte Odell Deefus sich doch nur freiwillig zur Army melden, weil er gehört hatte, dass man dort auch ohne Abschluss mit Kusshand genommen wird. Also macht er sich auf nach Callisto, Kansas, dem nächstgelegenen Rekrutierungsbüro, um seinen Plan in die Tat umzusetzen. Doch dann kommt alles anders als geplant: Odells Auto macht kurz vor Callisto schlapp und er findet sich bei einem eigenbrötlerischen Kerl namens Dean Lowry wieder. Für ein bis zwei Tage kommen beide gut miteinander klar, doch dann entdeckt Odell im Garten hinter dem Haus ein frisch ausgehobenes Loch in Form eines Sargs. Aus Angst, dass Dean vorhat, ihn umzubringen, nimmt Odell in dieser Nacht einen Baseballschläger mit ins Bett. Und tatsächlich tritt Dean kurz nach Mitternacht an Odells Bett und flüstert ihm, eine Schrotflinte in der Hand, etwas zu. Ohne nachzudenken schlägt Odell zu und Dean kippt sofort um - er ist tot. Um in Ruhe nachdenken zu können, was zu tun ist, versteckt er die Leiche erst einmal. Am selben Tag entdeckt er jedoch in der Tiefkühltruhe eine weitere Leiche; Deans Tante. Odell beschließt, dies der Polizei zu melden und schnell erregt der Fall landesweites Aufsehen. Wie es nach Odells Befragung, bei der dieser ohne böse Absicht nicht immer ganz ehrlich war, für alle scheint, war Dean nämlich kein „harmloser“ Mörder, sondern ein zum Islam konvertierter Terrorist, der einen Terroranschlag auf den Präsidentschaftskandidaten verüben wollte.

Buchkritik von Johanna  Dessecker

Selten genug gibt es ein Buch, bei dem einem der Protagonist schon nach der ersten Seite absolut sympathisch ist. Aber hier ist endlich mal wieder eines! Odell Deefus, der mit seinem naiven Blick auf die Dinge die Unsinnigkeit und die Ungerechtigkeit in der amerikanischen Gesellschaft aufdeckt, ist einfach eine tolle Romanfigur. Es macht richtig Spaß, mit ihm gemeinsam diese absonderliche, aber im Kontext der Zeit durchaus mögliche Geschichte zu erleben. Auch wenn es manchmal kaum zu ertragen ist, wie Odell sich mit seinen gut gemeinten Taten immer weiter in die Katastrophe hinein manövriert, ist klar, dass er einfach einer der größten Pechvögel ist, die die Romanlandschaft je gesehen hat und dass dies eben so sein muss. Durch seinen Mund ausgesprochene Gesellschaftskritik kommt jedenfalls an, vielleicht besser als mit erhobenem Zeigefinger geäußerte. Bis zum Schluss scheint die Kritik zwar stets durch den meist harmlos heiteren und teilweise satirischen Erzählstil Odells durch, dominiert die Erzählung aber nicht. Erst gegen Ende prangert der Autor explizit das Vorgehen der amerikanischen Regierung an und diese Szenen gehen wirklich an die Nieren und bleiben im Gedächtnis. Aber das passt zum Roman insgesamt und ist auch einfach richtig so.

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