Andorra

Autor: Max Frisch
Genre: Roman
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 3-518-36777-3
Erscheinungsdatum (D) 1975 Erschienen 1975
Seiten 126

Andorra

Inhalt

Die Andorraner erwarten den Angriff eines mächtigen Nachbarvolkes – den Angriff der Schwarzen, die kommen werden um die Juden zu verfolgen und zu ermorden. Es ist jedoch nicht nur so, dass nur die Schwarzen vorurteilbeladen sind. Auch die Andorraner legen eine Vielzahl antisemitischer Vorurteile an den Tag. Ihnen zufolge ist der Jude viel zu „Geschäftstüchtig“, viel zu „Überempfindlich“...
Letztlich ist es vor allem ein Andorrander, der unter den vorurteilbeladenen Haltungen seiner Mitbürger leiden muss. Der junge Andri, Hauptperson von Max Frischs dramatischer Abhandlung, wird zur Projektionsfläche all dieser Vorurteile. Obwohl er keine Jude ist, wird er von den Andorranern doch zu einem gemacht. Irgendwann weiß Andri selbst nicht mehr, was nun wahr und was falsch ist. Am Ende beugt er sich den Vorurteilen und gibt sich seiner Bestimmung hin.

Buchkritik von Kathrin  Lang

Mit seinem Stück „Andorra“ schrieb der Schweizer Autor Max Frisch eine Geschichte nieder, die uns an die grauenhaften Ereignisse, die während des Zweites Weltkriegs geschehen sind, erinnert. Doch obwohl hier der Jude im Mittelpunkt des Geschehens steht, so könnt dieser doch durch jede andere beliebige gesellschaftliche Minderheit ausgetauscht werden. Schlussendlich erzählt Max Frischs „Andorra“ nämlich nicht von der Judenverfolgung, sondern von den Gefahren eines Vorurteils, die einen Menschen zu jemanden Formen können, der er nicht ist und der er eigentlich auch nicht sein will. Dass sich Frischs Protagonist Andri letztendlich den ihm vorgeworfenen Vorurteilen beugt, lässt diese Geschichte noch schockierender und noch realistischer auf den Leser wirken. Was jedoch noch schlimmer als die widerstandslose Annahme des Vorurteils ist, ist Max Frischs Abhandlung und Beleuchtung der Schuldfrage. Am Ende von „Andorra“ will niemand, der an dem Stück beteiligten Personen, Schuld an den Ereignissen tragen. Ganz im Gegenteil: niemand will überhaupt je davon gewusst haben – weiter verwunderlich ist dieser Ausgang der Geschichte jedoch nicht. Immerhin wurden hier von Max Frisch Zeilen niedergeschrieben, die mit einer uns vertrauten Realität kollidieren.

"Andorra" bildet den Abschluss von Max Frischs Periode des 'engagierten Theaters'. Der erste Entwurf zu "Andorra" entstand bereits im Jahr 1946. Er findet sich heute in Max Frischs "Tagebuch 1946–1949" unter dem Titel "Der andorranische Jude".

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