Nacht über dem Yangtse

Autor: David Ball
Genre: Erlebnisbericht
Verlag: Droemer
ISBN: 3-426-19707-3
Erscheinungsdatum (D) 2005 Erschienen 2002
Seiten 542
Übersetzung Rainer Schmidt

Nacht über dem Yangtse China Run

Inhalt

Eine Gruppe von Ehepaaren aus Amerika ist nach China gereist, um dort ihre Adoptivkinder in Empfang zu nehmen. Schon einige Tage lang befinden sie sich mit ihren Babys in einem Hotel, als ihnen gesagt wird, dass sie durch einen Irrtum der Behörden die falschen Kinder erhalten hätten und diese nun wieder zurückgeben müssten. Vier Menschen sind nicht bereit, sich der Willkür der chinesischen Behörden zu fügen - sie fliehen mit drei kleinen chinesischen Mädchen, denen sie ein besseres Leben in Amerika ermöglichen wollen. Unter ihnen befindet sich Allison Turk mit ihrem Stiefsohn Taylor. Schon lange hat sie sich ein eigenes Kind gewünscht und ist jetzt nicht mehr bereit, die kleine Wen Li wieder herzugeben.

Eine dramatische Flucht durch China beginnt, bei der die Amerikaner immer wieder auf große Hilfsbereitschaft, aber auch auf jede Menge Korruption treffen. Plötzlich in der Rolle von Kidnappern, die von der chinesischen Polizei verfolgt werden, versuchen sie auf kleinen Fischerbooten nach Zentralchina zu gelangen. Völlig hilflos in einem Land, in dem sie die Sprache nicht verstehen und dessen Bewohner und deren Mentalität ihnen völlig fremd sind, scheint ihre Flucht beinahe aussichtslos zu sein.

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Ein durch und durch aufwühlendes Buch, das einen zutiefst erschreckenden Einblick in ein Land gibt, das für uns Europäer völlig fremd und unverständlich ist. David Balls fundierte Landeskenntnis lässt diesen Roman durch und durch authentisch wirken. Der Autor bietet glaubwürdiges Hintergrundwissen über China und die Mentalität seiner Bewohner und vermittelt dem Leser so den Hauch einer Ahnung davon, wie der Alltag in diesem fremden Land aussieht. Trotzdem wirkt alles so unverständlich, dass man immer wieder fassungslos den Kopf schütteln muss. Alles, was man hier liest, hat aber auch nicht das Geringste mit dem Leben, wie wir es kennen, zu tun. Völlig andere Werte und Ideologien zählen hier, die Menschen reagieren auf oft ganz entgegengesetzte Art und Weise, wie wir es gewohnt sind und wirken deshalb so unberechenbar.

Die Geschichte an sich ist so berührend und dramatisch, dass man kaum glauben mag, dass so etwas wirklich geschehen kann. Und doch wissen wir aus den Medien, dass diese Dinge tagtäglich in China passieren, Geburtenkontrolle, Menschen- und Organhandel und brutale Morde der Ehre wegen sind an der Tagesordnung. Man weiß zwar darum, aber es am konkreten Schicksal einzelner Menschen wirklich "mitzuerleben" ist doch noch einmal etwas ganz anderes. Viele Fragen bleiben am Ende offen, ob die Rettung eines einzelnen Babys auf Kosten so vieler Menschenleben wirklich in einer Relation steht, kann nur jeder für sich selber beantworten. David Ball hat hier jedenfalls eine aufwühlende und dramatische Geschichte spannend und sehr glaubwürdig erzählt.

Der Autor David Bell hat selber eine chinesische Adoptivtochter, die bei Erscheinen des Buches acht Jahre alt war.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen