Die Herrin der Worte

Autor: Frances Hardinge
Genre: Jugendbuch
Verlag: cbj
ISBN: 3-570-13140-8
Erscheinungsdatum (D) 2006 Erschienen 2005
Seiten 479
Übersetzung Alexandra Ernst

Die Herrin der Worte Fly by Night

Inhalt

Schon viele Jahre lang streiten sich die verschiedensten Gruppen um die Herrschaft über das gespaltene Königreich. Sowohl die Zwillingsköniginnen, als auch das Parlament, als auch die verschiedenen Gilden des Landes, bestehen auf den Thron. Im Land herrscht nun eine Atmosphäre des ständigen Misstrauens und permanenter Angst statt eines Königs.
In dieses Chaos hinein wird am Tag des heiligen Klatschweg, der die Fliegen von Gelee und Butter fern hält, ein außergewöhnliches Mädchen geboren.Wie es Brauch ist, erhält sie einen dem Heiligen gewidmeten Namen: Mosca, die Stubenfliege. Als ihr Vater stirbt, wird Mosca Mye in die Obhut ihres Onkels gegeben. Doch in Krähennest, dem Dörfchen, in dem sie lebt, ist das Mädchen eine Außenseiterin und durchaus ein bißchen verdächtig, denn Mosca hat eine im gespaltenen Königreich sehr selten gewordene Fähigkeit: Sie hat von ihrem Vater lesen und schreiben gelernt.
An ihrem zwölften Geburtstag beschließt Mosca gemeinsam mit ihrer Gans, die aufgrund ihrer Angriffslustigkeit nur als „der Sarazene“ bekannt ist, aus Krähennest fortzulaufen. Sie schließen sich dem zwielichtigen Poeten Wortmeister Clent an, der sie mit seiner Wortgewandtheit sofort beeindruckt. Es beginnt eine abenteuerliche und gefährliche Reise in die Stadt Löwenburg und schon bald geraten Mosca und Clent, ohne es zu wissen, mitten hinein in die Intrigen der Mächtigen des Landes.

Buchkritik von Johanna  Dessecker

Es ist schon eine seltsame Welt, die Frances Hardinge auf fast 500 Seiten zum Leben erweckt. Da werden Kinder grundsätzlich nach den Heiligen benannt, an deren Tag sie geboren werden, auch wenn sie dann mit Namen wie Sellerie, Krill oder Avocado leben müssen. Auch die Heiligen selbst sind äußerst bemerkenswert: Für alles und jeden gibt es einen Schutzpatron, der durchaus nicht immer nur für die tugendhaften Belange zuständig sein muss.
Diese und ähnliche wunderbar originelle Einfälle der Autorin machen „Die Herrin der Worte“ zu einem ganz besonderen Fantasyroman. Endlich einmal ein Buch dieses Genres, in dem nicht ständig Elemente aus den Klassikern kopiert werden! Aber es ist nicht nur der schier unerschöpfliche Ideenreichtum, mit dem das Buch verzaubert, sondern vor allem der Wortwitz und das Gespür für den richtigen Tonfall an der richtigen Stelle. Hier beweist Frances Hardinge ihr wahres Können. Das Einzige, was bei „Die Herrin der Worte“ nicht überzeugen kann, ist der Aufbau der Geschichte. Zu oft lässt die Autorin den Leser darüber im Unklaren, wer gut und wer böse ist und auf welcher Seite er selbst stehen sollte. Wahrscheinlich war dieser Effekt beabsichtigt, um die Botschaft des Buches zu transportieren, doch gerade für die Zielgruppe der Jugendlichen ab 12 wird dies schwer zu durchschauen sein.
Nichtsdestotrotz: Mit ihrem Erstlingswerk, das bis zur letzten Seite spannend bleibt, wird Frances Hardinge Menschen jeder Altersstufe begeistern können.

"Die Herrin der Worte" ist der erste Teil einer geplanten Trilogie um Mosca und ihre Gans.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen