Hausaufgaben

Autor: Jakob Arjouni
Genre: Roman
Verlag: Diogenes
ISBN: 3-257-23504-6
Erscheinungsdatum (D) 2004 Seiten 189

Hausaufgaben

Inhalt

Joachim Linde ist Deutschlehrer auf dem Gymnasium, ein Lehrer, wie man ihn sich eben vorstellt: immer korrekt, etwas spießig (auch wenn er sich sehr bemüht, alle vom Gegenteil zu überzeugen), sehr gebildet (was er andere gerne spüren lässt), leicht zynisch und von scheinbar untadeligem Ruf. Kurz und gut, ein langweiliger Möchtegernliberaler wie er im Buche steht.

Doch am letzten Schultag vor einem verlängerten Wochenende gerät sein wohl gepflegtes Heile-Welt-Image gehörig ins Wanken. Zuerst geraten sich zwei Schüler während seiner Unterrichtsstunde so sehr in die Wolle, dass Worte fallen, die weitreichende Konsequenzen für Linde haben könnten. Gelingt es ihm zunächst noch, die Wogen wieder zu glätten, kämpft er allerdings innerhalb seiner Familie auf ziemlich einsamem Posten. Er, der doch seinen Kindern leuchtendes Vorbild sein will und soviel perfekter als seine arme, psychisch äußerst desolate Frau Ingrid ist, gerät plötzlich ins Kreuzfeuer der übelsten Anschuldigungen. Bald schon sieht es so aus, als müsse er die intimsten Details seines Privatlebens vor den Kollegen ausbreiten, um seine Haut zu retten.

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Jakob Arjouni hat einen Roman geschrieben, der zunächst so harmlos wirkt! Was dann aber nach und nach ans Licht kommt, lässt einen eins ums andere Mal ungläubig den Kopf schütteln. Dabei erzählt der Autor in einem derart leichten Ton, dass man manchmal fast vergessen könnte, von welch unsagbarer Thematik hier die Rede ist. Joachim Linde ist ein Protagonist, der einem von Anfang an unsympathisch ist, ohne dass man so genau sagen könnte, warum eigentlich. Wer kennt sie nicht, die Schöntuer und Blender dieser Welt, hinter deren Fassade sich Abgründe auftun? Denen man aber nie so ganz beikommen kann, weil sie es perfektioniert haben, den Schein zu wahren. Fast unmerklich lässt Arjouni seine Leser in die Abgründe blicken, irritiert sie langsam aber sicher mit den Informationen, die er ihnen zukommen lässt. Das Thema der deutschen Schuldfrage behandelt er dabei scheinbar ganz nebenbei und zeigt am Beispiel seines Protagonisten, wie tagtäglich damit umgegangen wird.

"Hausaufgaben" ist ein Buch, das man fast ohne Luft zu holen durchlesen möchte. Spannend und fast schon ein wenig provokativ spielt der Autor mit der Thematik und hält den Leser bis zum Schluss in Atem. Zurück bleibt das Gefühl, zu wissen, was vorgefallen ist und doch nicht alles erfahren zu haben. Ein wirklich meisterlicher Roman!

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen