Die anderen 68er

Autor: Valentin Landmann, Harro von Senger, Peter Wiesendanger
Genre: Biographie
Verlag: Münsterverlag GmbH Basel
ISBN: 978-3905896947
Erscheinungsdatum (D) 19.07.18 Erschienen 2018
Seiten 264

Die anderen 68er

Inhalt

Harro von Senger begründet eingangs die Entstehung dieses Buches. Anstelle eines Vorwortes führt er Gedanken Professor Hermann Lübbes zur 1968-iger Bewegung in der BRD und in der Schweiz aus. Der Journalist Alex Bauer befragt die drei Autoren Valentin Landmann, Harro von Senger und Peter Wiesendanger zu ihrer gemeinsamen Studienzeit an der Universität Zürich. Valentin Landmann skizziert seinen Weg in die Studentenpolitik anhand mehrerer Stationen; z.B. Beginn des Studiums, sein Verbindungserlebnis, die Herausgabe von Flugblättern, kritische Gruppierungen und was daraus folgte. Peter Wiesendanger beschreibt das Wintersemester 1969/70 an der Universität Zürich und erinnert sich an die Wahl der Mitglieder des sog. „Kleinen Studentenrats“. Eine Gruppierung von Studenten-“die anderen 68er“-gründeten sich und verstanden sich als Gegenpart zur sich als „progressiv“ nennenden 68-iger-Bewegung. Das Projekt „Erweiterung der Universität auf dem Strickhofareal“ bezeichnet Peter Wiesendanger als "politisches Lehrstück“. „Weltoffenheit gegen geistige Enge“ tituliert Harro von Senger seinen Beitrag, und erinnert an seine Zeit an der Universität Zürich schon 4 Jahre vor 1968. Ein Passus ist seinem Abschied aus der Studentenpolitik mit anschließendem Studienaufenthalt im Fernen Osten gewidmet. Das 25-jährige Jubiläum des Studentenrings wird besonders erwähnt. Dokumente aus dieser Zeit sind vom Autor persönlich beigefügt worden. Es folgt ein Nachwort Harro von Sengers mit einer sehr subjektiven Einschätzung und Sichtweise auf die Schweiz.

Buchkritik von Gabriele  Frommholz

Warum nicht einmal zu Dritt zusammen ein Buch schreiben und herausgeben?

Mittlerweile hochkarätige Zeitgenossen wie Valentin Landmann, Harro von Senger und Peter Wiesendanger erinnern sich an ihre Studienzeit, und „outen“ sich in ihrer Studienzeit an der Universität Zürich als kritische, jedoch keineswegs zum politischen Umsturz neigende Hochschulabsolventen in den 1968-iger Jahren. Man erfährt wie eine Männerfreundschaft entstand, die bis heute andauert. Es handelt sich um einen Zeitraum von ungefähr 50 Jahren „Chapeau“! Bekannte Namen wie z.B. Christoph Blocher, Beat Richner und Stephan Schmidheiny finden Erwähnung. Dieses „Gedankengut“ deutet keineswegs auf politischen Umsturz hin, da die Schweiz als Hort der Demokratie galt und immer noch gilt. Jeder Schweizer Staatsbürger findet nahezu wöchentlich Aufrufe zu Volksabstimmungen in seinem Briefkasten. (Direkte Demokratie). Im Gegensatz zu in der BRD agierenden Leuten wie z.B. Rudi Dutschke, ging es den Schweizer 1968-igern nicht um einen Kampf der Ideologien; es ging um universitätsinterne Unzulänglichkeiten und Zivilisationskritik. Richtet man sein Augenmerk auf den „Genderaspekt“, so fällt auf, dass es mehrheitlich Männer waren, die in ihrer Studienzeit die Anführer Positionen einnahmen; ihre weiblichen Mitstreiterinnen eher in ihren konventionellen Rollen sahen. Die Einordnung Harro von Sengers als einen der ersten „Umweltaktivisten“ der Schweiz ist sicher angebracht. Seine humoristischen Darstellungen über den Tagesablauf eines „Fuchses“ in der Studentenverbindung Zofingia zeugen von großer Lust an satirischer Bildersprache. Nicht zu vergessen ist der Hinweis auf bereits erschienene Bücher aus seiner Feder. Leser, die heutzutage eine universitäre Laufbahn planen, können vollumfänglich auf diesen Erlebnisreichtum sehr gescheiter und erfolgreicher Zeitgenossen zurückgreifen, so sie denn gerne lesen und nicht auf dem Laptop herumklimpern, sondern lieber ein schönes Buch in die Hand nehmen!

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