Was niemand sieht

Autor: Ann Cleeves
Genre: Krimi
Verlag: rororo
ISBN: 978-3-499-00309-7
Erscheinungsdatum (D) 16.06.20 Erschienen 2018
Seiten 427
Übersetzung Stefanie Kremer

Was niemand sieht Wild Fire

Inhalt

Obwohl Helena und Daniel Fleming und ihre beiden Kinder nun schon seit einiger Zeit auf der Shetlandinsel Northmavine leben, will es ihnen nicht gelingen, wirklich Anschluss in der kleinen Gemeinde zu bekommen. Um dem hektischen Großstadtleben in London zu entfliehen und ihre Beziehungsprobleme hinter sich zu lassen, schien ihnen das einfache Leben auf den Shetlands perfekt. Doch nichts ist so, wie sie sich das zunächst vorgestellt hatten, was teilweise auch an ihrem älteren Sohn Christoph liegt, dessen Autismus bei den Inselbewohnern für viel Gerede und Sticheleien sorgt. Als ausgerechnet Christoph in der Scheune des Anwesens eine erhängte junge Frau findet, geraten die Flemings noch stärker in den Fokus des örtlichen Tratschs, zumal Daniel Fleming kurz nach ihrem Einzug genau an derselben Stelle den Vorbesitzer ihres Hauses aufgefunden hatte, der sich an einem Balken erhängt hatte.

Doch die junge Frau, die als Kindermädchen bei der Arztfamilie des Ortes angestellt war, wurde eindeutig ermordet, was Kommissar Jimmy Perez und seine Vorgesetzte Willow Reeves auf den Plan ruft. Bei den Recherchen zur Person der Ermordeten wird ihnen schnell klar, dass es zwar jede Menge Klatsch und Tratsch über die junge Frau gab, keiner sie aber wirklich kannte. Je tiefer Jimmy und Willow graben, desto deutlicher wird allerdings, dass es einige Kandidaten unter den Inselbewohnern gab, die allen Grund gehabt hätten, dem Kindermädchen den Tod zu wünschen…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Ann Cleeves ursprünglich als „Quartett“ angedachte „Shetland-Reihe“ findet nun mit diesem Band, dem mittlerweile achten, ihren endgültigen Abschluss. Bereits in Band 6 und 7 kristallisierte sich heraus, dass Cleeves gut daran getan hätte, es bei den ursprünglich vier geplanten Bänden zu belassen, die allesamt mehr als gelungen waren. Die atmosphärische Dichte der Erzählung, die atemberaubenden Schauplätze und die klug ausgefeilten Charaktere verloren spätestens nach dem 5. Band zusehends an Schärfe, was angesichts der ursprünglichen Stärke der „Shetland-Reihe“ zutiefst bedauerlich ist. Vor allem Jimmy Perez, einst charismatische Hauptfigur, verblasst mit jedem neuen Fall zusehends und kann die Leser in diesem letzten Band kaum noch fesseln. Sein Zusammenspiel mit seiner Vorgesetzten Willow Reeves, mit der ihn eine komplizierte Liebesbeziehung verbindet, ist äußerst ambivalent und nur schwer nachzuvollziehen. Wo man im letzten Band bereits genervt von seiner Unentschlossenheit bezüglich der Gefühle zu Willow war, setzt er hier nun allem die Krone auf und handelt auf eine Art und Weise, die allem widerspricht, was man je über diese einstmals so faszinierende Hauptfigur wusste.

Auch der Fall, in dem Jimmy und Willow ermitteln, wirkt etwas arg konstruiert und will den Leser von Anfang an nicht so recht fesseln. Obwohl „Was niemand sieht“ durchaus auch starke Momente hat, plätschert die Handlung stellenweise nur so vor sich hin und entfaltet in keinem Augenblick einen echten Sogcharakter. Für all jene, die die „Shetland-Reihe“ voller Genuss verschlungen haben, dürfte dieses Ende der Reihe leider eine Enttäuschung sein. Cleeves präsentiert einen Abschluss, der etwas erzwungen und schwerfällig wirkt und das ganz besondere Etwas der ersten Bände nicht einmal ansatzweise wieder heraufbeschwören kann. Auch wenn die Schilderung der außergewöhnlichen Landschaft der Shetlandinseln einen unweigerlich in ihren Bann zieht, muss man doch mit Bedauern feststellen, dass „Was niemand sieht“ ein doch eher mittelmäßiger Kriminalroman geworden ist.


Ann Cleeves' "Shetland-Reihe" umfasst folgende Bände:
Die Nacht der Raben
Der längste Tag
Im kalten Licht des Frühlings
Sturmwarnung
Tote Wasser
Das Geistermädchen
Die Tote im roten Kleid
Was niemand sieht

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen