Feindesland

Autor: C. J. Sansom
Genre: Roman
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-43942-9
Erscheinungsdatum (D) 13.01.20 Erschienen 2014
Seiten 768
Übersetzung Christine Naegele

Feindesland Dominion

Inhalt

London im Winter 1952. Es ist nun zwölf Jahre her, seit England sich den Nazis unterworfen hat. Immer noch tobt der Krieg zwischen Deutschland und Russland und fordert auf beiden Seiten unzählige Opfer. England befindet sich unter deutscher Besatzung, die Medien werden kontrolliert, überall auf den Straßen patrouilliert die Militärpolizei und jeder misstraut jedem. Die britischen Juden sehen sich immer größeren Repressalien ausgesetzt, während in Deutschland der an Parkinson erkrankte Hitler unaufhaltsam auf den Tod zusteuert.

In dieser schwierigen Situation plant Churchills Widerstandsbewegung einen Gegenschlag. Der Beamte David Fitzgerald hält selbst vor seiner eigenen Frau geheim, dass er zur Hälfte jüdisch ist. Eher unfreiwillig wird er zum Spion für den Widerstand und setzt damit seine Ehe mit Sarah aufs Spiel, der er nichts von seinem tatsächlichen Kampf gegen die Nazis erzählt. Doch der von der Gestapo nach London geschickte Gunther Hoth macht unerbittliche Jagd auf David, und damit wird auch Sarah unwillkürlich in die fragile Welt des Widerstands hineingezogen…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Was wäre mit der Welt geschehen, wenn Hitler und Nazi-Deutschland 1945 den Krieg nicht verloren hätten? Mit dieser Frage beschäftigt sich C. J. Sansom in seinem Roman „Feindesland“ auf äußerst eindringliche und authentische Art und Weise und entwirft dabei ein beklemmendes Szenario. Nachdem Premierminister Chamberlain 1940 seinen Rücktritt ankündigt, gibt es zwei Anwärter auf den Posten: Churchill und Halifax. Letzterer wird Premierminister und schließt Frieden und einen Freundschaftsvertrag mit Deutschland. Churchill hingegen zieht sich zurück und baut eine Widerstandsbewegung gegen das neue Regime auf. Soweit das Szenario, auf dem dieser Roman aufbaut. Auf absolut spannende und schlüssige Weise spinnt Sansom dieses Ausgangsszenario nun weiter und zeigt auf, wohin die Welt und in diesem Fall vor allem England sich bewegt hätten, wäre es 1945 nicht zu einer Kapitulation Deutschlands gekommen. „Feindesland“ spielt sieben Jahre nach dem realen Kriegsende, bleibt immer ganz nah an den tatsächlichen Ereignissen und schildert den fiktiven Alltag dieser Zeit auf beängstigende und durchaus denkbare Weise.

Ganz besonders zeichnet sich dieser großartige Roman durch seine scharf gezeichneten und durch und durch authentischen Charaktere aus, die der Geschichte eine faszinierende Tiefe und Stärke geben. Darüber hinaus überzeugt der Autor mit brillanten und geschliffenen Dialogen und Schilderungen eines zwar fiktiven aber durchaus denkbaren Alltags, die Gänsehaut erzeugen. Die atmosphärisch dichten Bilder, die Sansom hier erzeugt, werden durch reale Begebenheiten, wie den 1952 tatsächlich stattgefundenen „Todesnebel“ unterstrichen und geben dem Roman damit eine beängstigende Tiefe. „Feindesland“ ist ein atemberaubend spannender Widerstandsroman, der die Geschichte neu erzählt und mit einer klug erdachten Handlung und viel Hintergrundwissen zutiefst beeindruckt.

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