Der Mann, der seinem Gewissen folgte

Autor: Janet Lewis
Genre: Roman
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28190-4
Erscheinungsdatum (D) 15.11.19 Erschienen 1983
Seiten 272
Übersetzung Susanne Höbel

Der Mann, der seinem Gewissen folgte The Trial of Sören Qvist

Inhalt

Der in Jütland lebende Pastor Sören Qvist ist ein gerechter, integrer Mann, der von seiner Gemeinde hoch geschätzt, ja, von manchen sogar verehrt wird. Der Pastor, der seine Tochter Anna nach dem Tod seiner Frau alleine großgezogen hat, lebt ein einfaches, aber zufriedenes Leben auf seinem bescheidenen Hof. Doch dann wird er beschuldigt, seinen Knecht Niels in einem Anfall von Jähzorn erschlagen und anschließend in seinem eigenen Garten vergraben zu haben. Keiner in der Gemeinde will an Pastor Qvists Schuld glauben, alle sind davon überzeugt, dass dieser freundliche und gütige Mann ganz sicher keines Mordes fähig wäre. Es kommt zu einem Indizienprozess, in dessen Verlauf sich sämtliche Beweise gegen Sören Qvist zu verdichten scheinen.

Die Menschen um diesen mitfühlenden Mann sind verzweifelt, sie bemühen sich darum, entlastende Beweise für ihn zu finden und seine Unschuld zu beweisen. Doch am Ende lässt Sören Qvist sich für dieses Verbrechen, das er nicht begangen hat, verurteilen. Noch in der Nacht vor seiner geplanten Hinrichtung eröffnen seine Kinder ihm eine Fluchtmöglichkeit, die der Pastor, der sich in sein Schicksal ergeben hat, jedoch ausschlägt. Sören Qvist stellt schließlich seine Überzeugungen von Glauben und Moral über sein eigenes Leben…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Janet Lewis’ Roman „Der Mann, der seinem Gewissen folgte“, der im englischsprachigen Raum bereits 1983 seine Erstveröffentlichung erlebte und nun zum ersten Mal auf Deutsch erscheint, beruht auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1625. Lewis befasst sich mit der Frage, wie Moral, Verantwortung und Schuld einen Menschen dazu bringen können, seine moralische Integrität über sein eigenes Leben zu stellen. Auf faszinierende Weise gelingt es ihr, den Leser in einem Geflecht aus Hoffnung für den charismatischen Protagonisten und Zweifeln an dessen tatsächlichen Motiven zu verstricken und ihn dabei immer wieder mit der Frage zu quälen, wie er selbst sich in dieser schwierigen Situation verhalten würde. Dabei ist man wie gefesselt von der Art und Weise, wie Janet Lewis sich existentiellen und moralphilosophischen Frage nähert, wie es ihr gelingt, die religiösen und nicht zuletzt die juristischen Aspekte jener Zeit zu beachten und daraus einen derart kraftvollen und strahlenden Roman zu erschaffen.

Sören Qvists quälender Zweifel, ob Gott ihn mit dem tragischen Tod seines einstigen Knechts auf die Probe stelle, erweist sich im Verlauf der Handlung als das eigentliche Hauptmotiv dieses Romans und wirft auch beim Leser Fragen auf, denen er sich nicht so leicht entziehen kann. Qvist erweist sich als ein Mann, der am Ende nur auf sein Gewissen zu hören in der Lage ist, auch wenn die Anschuldigungen gegen ihn in juristischer Hinsicht völlig haltlos sind. Hier findet sich das zentrale Thema von „Der Mann, der seinem Gewissen folgte“, ein Thema, das Janet Lewis auf unausweichliche Art und Weise zum Kern- und Angelpunkt ihres Romans macht. Dabei lässt sich „Der Mann, der seinem Gewissen folgte“ weder darauf reduzieren, eine moralische noch eine kriminalistische Erzählung zu sein, sondern entpuppt sich zusehends als die tragische Geschichte eines aufrechten Mannes, der den Konflikt, in dem er sich befindet, nur auf eine einzige, unausweichliche Weise zu lösen vermag. „Der Mann, der seinem Gewissen folgte“ ist ein Roman, der eine drängende Sogkraft entwickelt und zugleich auf beeindruckende Weise sämtliche losen Fäden Stück für Stück zusammenknüpft und zu einem schlüssigen Ganzen führt. Zugleich überzeugt Lewis mit ihrer kargen Schilderung Jütlands jener Zeit und entführt ihre Leser gekonnt in die mühevollen Lebensumstände der Menschen, die dort lebten. Dieser Roman wirkt in seiner Unausweichlichkeit und tiefen Kraft noch lange nach.



Im Zentrum von Janet Lewis’ Prosaschaffen stehen drei Romane, die sie zwischen 1941 und 1959 schrieb. Es handelt sich dabei um drei historische Erzählungen, die aufsehenerregende wahre Kriminalfälle zum Thema haben. Lewis ließ sich dabei von spektakulären Justizfällen, in denen es um Urteile nach Indizienbeweisen ging, zu ihren Romanen „Die Frau, die liebte“ (auf Deutsch 2018 bei dtv erschienen), „Der Mann, der seinem Gewissen folgte“ (auf Deutsch 2019 bei dtv erschienen) und „The Ghost of Monsieur Scarron“ inspirieren.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen