In seinen Händen

Autor: Harlan Coben
Genre: Thriller
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-49000-4
Erscheinungsdatum (D) 16.03.20 Erschienen 2010
Seiten 445
Übersetzung Gunnar Kwisinski

In seinen Händen Caught

Inhalt

Als Marcia McWaid eines frühen morgens vor dem leeren Bett ihrer 17jährigen Tochter Haley steht, macht sie sich zunächst noch keine großen Sorgen. Doch ganz schnell soll das idyllische Vorstadtleben der Familie McWaid aus den Fugen geraten, denn Haley bleibt spurlos verschwunden. Warum die mustergültige Schülerin und Captain des Lacrosse-Teams, die bereits eine feste Zusage für ein renommiertes Elite-College hat, einfach abgehauen sein soll, kann sich keiner in ihrem Umfeld erklären. Die alternative Erklärung, nämlich dass Haley etwas Schreckliches zugestoßen sein soll, lässt die einst so glückliche Familie McWaid in ein tiefes Loch der Verzweiflung stürzen.

Etwa zur gleichen Zeit feiert die Fernsehreporterin Wendy Tynes enorme Quotenerfolge. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, mutmaßlichen Pädophilen vor laufender Kamera eine Falle zu stellen. Aktuell hat sie es auf den Sozialarbeiter Dan Mercier abgesehen, der verzweifelten Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite steht. Mercier tappt in die von Wendy inszenierte Falle und wird schnell auch mit Haleys Verschwinden in Verbindung gebracht. Obwohl es nicht zur Anklage kommt, ist Dans Ruf von nun an zerstört, so dass er sich nirgends mehr sicher fühlen kann. Obwohl Wendy zunächst absolut überzeugt von Dans Schuld ist, schleichen sich allmählich Zweifel ein, denn Dans Geschichte ist nicht so offensichtlich, wie sie zuerst vermutet hatte. Wendy beginnt Fragen zu stellen und tritt dabei offensichtlich jemandem gewaltig auf die Füße. Unversehens tut sich vor ihr ein Abgrund auf, in den nicht nur sie selbst zu stürzen droht…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Harlan Coben ist ein echter Meister darin, verschachtelte Geschichten zu erzählen, in denen nichts so ist, wie das zunächst einmal erschien. Auch „In seinen Händen“ macht hier keine Ausnahme, gelingt es Coben doch, seine Leser in ein regelrechtes Labyrinth aus Vermutungen, Ahnungen und albtraumhaften Szenarien zu führen, aus dem sie den Weg niemals selbst zurückfinden würden. Es ist ein perfider und beängstigender Plot, den der Autor in diesem Thriller entwirft und dabei mit den Urängsten seiner Leser spielt. Ein Mann wird verdächtigt, sich an minderjährigen Schutzbefohlenen zu vergreifen – und der Autor versteht es, seine Leser permanent im Zweifel darüber zu lassen, ob diese Anschuldigungen nun gerechtfertigt sind oder nicht. Zugleich transportiert er die Verzweiflung des Beschuldigten eins zu eins zum Leser und macht deutlich, dass hier das Leben eines Menschen komplett zerstört werden kann – auch wenn er am Ende rehabilitiert werden würde.

Obwohl „In seinen Händen“ ein Thriller ist, der von Anfang bis Ende bestens unterhält und über einen hervorragenden Spannungsbogen verfügt, kann man nicht darüber hinwegsehen, dass die einzelnen Charaktere stellenweise etwas arg platt und einfach gezeichnet sind. Harlan Coben zeichnet sich durch einen humorvollen Erzählstil aus, was sich durchaus auch auf die Zeichnung seiner Charaktere übertragen mag, doch hin und wieder erscheint das dann doch des Guten etwas zu viel. Nichtsdestotrotz ist „In seinen Händen“ ein rasant erzählter Thriller, in dem die Grenzen zwischen Gut und Böse auf eindringliche Weise verschwimmen. Harlan Coben erzählt hier eine zu Herzen gehende Geschichte und zeigt zugleich die schwärzesten Abgründe der menschlichen Seele auf.

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