Die Frau in der Themse

Autor: Steven Price
Genre: Roman
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-07087-3
Erscheinungsdatum (D) 25.09.19 Erschienen 2016
Seiten 916
Übersetzung Anna-Nina Kroll, Lisa Kögeböhn

Die Frau in der Themse By Gaslight

Inhalt

London im Jahr 1885, kurz bevor die spektakulären Whitechapel-Morde von Jack the Ripper die Stadt erschüttern. Hier treffen die Schicksale des berühmten Detektivs William Pinkerton, des Dandy-Diebs Adam Foole und der ebenso schönen wie gerissenen Diebin Charlotte Reckitt aufeinander. Foole weilt in London, weil er einen Brief seiner ehemaligen Geliebten Charlotte erhalten hat, in dem sie ihn um Hilfe bittet. Sie wird vom berüchtigten Amerikaner William Pinkerton verfolgt, der als Erbe einer Detektei als gefürchteter Verbrecherjäger agiert. Pinkerton erhofft sich von Charlotte Hinweise auf einen gewissen Edward Shade – einen Mann, den sein mittlerweile verstorbener Vater wie besessen gejagt hat. Es scheint so, als wäre Charlotte die letzte verbliebene Spur, die William zu diesem schattenhaften Phantom führen könne. Doch nach einem verzweifelten Sprung in die Themse bleibt die Meisterdiebin spurlos verschwunden.

Als kurz darauf die zerstückelte Leiche einer jungen Frau aus der Themse geborgen wird, scheint klar zu sein, dass es sich hier um Charlotte handelt. Sowohl Foole als auch Pinkerton beginnen, unabhängig voneinander, nach Charlottes Mörder zu suchen. Bald schon kreuzen sich aber die Wege dieser beiden so unterschiedlichen Männer – und ganz allmählich wird ihnen klar, dass sie noch viel mehr verbindet als die geheimnisvolle Charlotte. Denn es gibt einen gemeinsamen Nenner, der sie untrennbar miteinander verbindet – und zugleich zu Todfeinden macht…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Steven Price präsentiert mit „Die Frau in der Themse“ einen herrlich prallen, viktorianischen Schauerroman, der besiedelt ist von Figuren, die direkt aus der Feder eines Charles Dickens stammen könnten. Mit atmosphärischen Schauplätzen und skurrilen und einzigartigen Charakteren erschafft der Autor eine ganz eigene Stimmung und entführt seine Leser in das London zu Zeiten von Jack the Ripper. Doch obwohl die Whitechapel-Morde immer wieder andeutungsweise erwähnt werden, ist Price’ Schwerpunkt ein gänzlich anderer. Hier geht es um die Anfänge der legendären Pinkterton-Detektei und die Londoner Unterwelt im Viktorianischen Zeitalter. Der Leser wird mitgenommen in die Wirren des Amerikanischen Bürgerkriegs und erlebt die eigenartige und unheimliche Stimmung des gasbeleuchteten London – das es so, wie hier geschildert, laut Steven Price nie gegeben hat. Es ist nicht immer ganz einfach, die vielen Zeitsprünge, denen man hier ausgesetzt ist, mühelos nachzuvollziehen, und auch der Perspektivwechsel zwischen den Erzählungen von Adam Foole und William Pinkerton erschwert hin und wieder den Lesefluss.

Doch die atemlose Jagd durch das viktorianische London mit all seinen finsteren Spelunken, zwielichtigen Pubs und edlen Salons der gehobenen Gesellschaft ist ein wahrer Lesegenuss und nimmt den Leser mit in eine aufregende und zugleich erschreckende Zeit. Scheinbar mühelos gelingen dem Autor die Wechsel zwischen London, dem exotischen Südafrika und den Fronten des Amerikanischen Bürgerkriegs, und immer hat er die verschiedenen Erzählstränge fest in seiner Hand. Am Ende führt er sämtliche losen Fäden zu einem stimmigen Ganzen zusammen und überzeugt seine atemlosen Leser mit einem prachtvollen und fulminanten Finale. „Die Frau in der Themse“ ist ein atemberaubender Spannungsroman und zugleich das überzeugende Panorama einer längst vergangenen Gesellschaft.

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