Der Eindringling

Autor: Laura Benedict
Genre: Thriller
Verlag: Knaur.
ISBN: 978-3-426-52310-0
Erscheinungsdatum (D) 01.10.19 Erschienen 2019
Seiten 448
Übersetzung Ulrike Clewing

Der Eindringling The Stranger Inside

Inhalt

Als Kimber Hannon von einem Kurzurlaub zurückkehrt, glaubt sie zunächst, ihr Verstand spiele ihr einen Streich. Kimbers Schlüssel passen nicht mehr in die Schlösser ihres Hauses, und was ihr zu Anfang noch wie ein schlechter Scherz erscheint, entpuppt sich alsbald als beklemmende Realität: In ihrem Haus, das sie erst vor ein paar Tagen verlassen hat, wohnt nun ein fremder Mann, der behauptet, das Haus von ihr gemietet zu haben. Die Schlösser sind ausgetauscht, und tatsächlich kann der Fremde einen Mietvertrag vorweisen, unter dem augenscheinlich Kimbers Unterschrift prangt. Auch die von Kimber gerufene Polizei kann nichts anderes tun, als die Rechtmäßigkeit des Mietvertrags festzustellen. In ihrer Verzweiflung geht Kimber auf den Fremden, der sich Lance Wilson nennt los, und im Handgemenge flüstert er ihr Worte zu, die in Kimber lange verdrängte Erinnerungen wachrufen.

Kimber ist zutiefst schockiert, denn ganz offensichtlich will Wilson nicht etwa Geld von ihr – vielmehr ist es sein Ziel, in ihr Leben einzudringen und es zu zerstören. Obwohl sie sich nicht wirklich an den fremden Mann erinnern kann, argwöhnt Kimber, dass es sich bei ihm um jemanden aus ihrer Vergangenheit handeln muss – um jemanden, der ihr finsterstes Geheimnis kennt. Offenbar weiß Wilson um den Tod von Kimbers Schwester vor vielen Jahren und um die Art und Weise, wie sie selbst darin verwickelt war. Die Antwort auf all das Schreckliche, das ihr gerade zustößt liegt offensichtlich in Kimbers Vergangenheit – und in der Information, die ihre Schwester ihr kurz vor ihrem Tod noch weitergeben wollte…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Es ist ein zutiefst beklemmendes Szenario, das Laura Benedict in ihrem Thriller „Der Eindringling“ entwirft, ein Szenario, das an unser aller Grundängste rüttelt: Eine Frau kommt aus dem Urlaub zurück und muss feststellen, dass sie keinen Zutritt mehr zu ihrem Heim hat – zu einem Heim, in dem sich mittlerweile ein ihr völlig Fremder breit gemacht hat. Es gelingt Benedict, im Leser absolut klaustrophobisch Gefühle wach werden zu lassen, Gefühle, die mit einem völligen Verlust von Kontrolle und Sicherheit einhergehen. Doch bei all den Emotionen, die im Leser wachgerufen werden, fehlt eine gänzlich: Mitgefühl für Kimber Hannon kann man einfach nicht entwickeln. Diese Protagonistin ist derart unsympathisch, egoistisch und skrupellos, dass es einem schwer fällt, sich in irgendeiner Weise mit ihr zu identifizieren. Sowohl in den Schilderungen in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart erscheint einem diese Hauptfigur wie ein egoistisches Miststück, das sich nimmt, was es will und dem es egal ist, ob es im Leben von anderen einen Scherbenhaufen hinterlässt.

Auch wenn die Geschichte, die Benedict in „Der Eindringling“ erzählt, äußerst packend und klug inszeniert ist, stößt man sich doch immer wieder an deren Protagonistin, was den Lesefluss des Öfteren ins Stocken bringt. Dennoch kann nicht verschwiegen werden, wie grandios es der Autorin gelingt, die Spannung bis ins schier Unerträgliche zu steigern und die Atmosphäre immer beklemmender und bedrohlicher werden zu lassen. Mit großem psychologischem Gespür entblättert sie Stück für Stück die tragische Geschichte mehrere Menschen, die auf verhängnisvolle Weise miteinander verbunden sind, und deren Schicksale schließlich wie eine Naturgewalt aufeinander prallen. Hier kommt auch irgendwann der Punkt, an dem man sich als Leser mit der widersprüchlichen Hauptfigur versöhnt, erkennt man doch die wahren Hintergründe ihrer tragischen Geschichte. Unterm Strich ist „Der Eindringling“ ein Thriller, der etwas holprig und unrund startet, gegen Ende aber in allen Punkten überzeugen kann.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen