Juni '53

Autor: Frank Goldammer
Genre: Krimi
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3-423-26232-3
Erscheinungsdatum (D) 23.12.19 Seiten 364

Juni '53

Inhalt

Im Sommer 1953 wächst die Unzufriedenheit der Bevölkerung der noch jungen DDR. Der Alltag ist, im Gegensatz zum Leben in der BRD, äußerst beschwerlich, stundenlanges Anstehen für die alltäglichsten Lebensmittel ist gang und gebe. Es fehlt nach wie vor an allem, und die Zahl der DDR-Bürger, die das Land verlassen, steigt tagtäglich an. Die SED-Regierung greift unerbittlich durch und hat eine gnadenlose Taktik, wie sie mit ihren Kritikern verfährt. Am siebzehnten Juni schließlich eskaliert die politische Situation, es kommt zu landesweiten, gewalttätigen Protesten und in der Folge zu zahllosen Verhaftungen.

Genau in dieser chaotischen, von Gewalt geprägten Nacht wird Oberkommissar Max Heller zum Tatort eines grausamen Mordes gerufen: In einem Dresdner Isolierungsbetrieb wurde der ehemalige Eigentümer auf bestialische Weise mit Glaswolle erstickt. Kaum hat Heller mit seinen Ermittlungen begonnen, wird er auch schon vom Ministerium für Staatsicherheit ausgebremst. Er wird einem Beamten der Geheimpolizei unterstellt, der vermutet, der einstige Eigentümer des Isolierungsbetriebs sei ein Opfer der Aufständischen geworden. Ein gefundenes Fressen für das MfS, doch Max Heller hegt einen ganz anderen Verdacht, dem er unbeirrt nachgeht. Doch sein Kopf ist unaufhörlich mit noch ganz anderen Dingen beschäftigt: Zum einen geht es der alten Frau Marquart, mit der seine Familie und er seit dem Krieg zusammenleben, immer schlechter. Zum anderen drängt Karin ihn, endlich eine Entscheidung zu treffen und mit ihr und Anni in den Westen zu gehen…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Mit „Juni 53“ präsentiert uns Frank Goldammer nun bereits den fünften Fall von Oberkommissar Max Heller, dem wir im 1944/45 spielenden Krimi „Der Angstmann“ erstmals begegneten. Vieles hat sich verändert für Heller in diesen acht vergangenen Jahren, und es ist Goldammer äußerst gut gelungen, den Wandel der Zeit in seinen Krimis einzufangen. Nun sind wir zusammen mit Heller in der noch jungen DDR gelandet, der der Oberkommissar trotz vieler Repressalien, die er aufgrund seiner fehlenden Parteizugehörigkeit zu erdulden hat, unerschütterlich die Treue hält. Seine Frau Karin, die kleine Adoptivtochter Anni und die alte, mittlerweile demente Frau Marquart sind zu sehr vertrauten Charakteren geworden, die Goldammers Krimis Leben und Esprit verleihen. Obwohl es ihm in „Juni 53“ gut gelingt, die zwischenmenschlichen Schwierigkeiten dieser kleinen Familie und auch Hellers gespaltenes Verhältnis zu seinem der Partei treuen Sohn zu schildern, wirken die Figuren nicht mehr so authentisch und lebendig wie noch in den ersten Bänden der Reihe.

Auch der Fall, in dem Heller diesmal ermittelt, hat nicht das Format, das wir noch aus „Der Angstmann“ oder „Tausend Teufel“ kennen. Ohne wirkliche Spannung zu erzeugen, schildert Goldammer hier eine etwas konstruiert wirkende Mordermittlung, in der vor allem die politischen Ereignisse im Vordergrund stehen. Es gelingt ihm dabei nicht, den Leser wirklich an diese Geschichte zu binden und ihn in die Handlung hineinzuziehen. Etwas verworren und unausgegoren wirkt das Ganze und lässt den Leser hin und wieder verwirrt den Kopf schütteln. Obwohl es Frank Goldammer sehr authentisch gelingt, die politischen Ereignisse des Sommers 53 und die unbefriedigende Situation und die schwierigen Lebensumstände für die DDR-Bürger zum Leser zu transportieren, bleibt „Juni 53“ doch leider hinter den Erwartungen zurück.

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