Das Erbe

Autor: R. R. Sul
Genre: Roman
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28199-7
Erscheinungsdatum (D) 16.09.19 Seiten 221

Das Erbe

Inhalt

Mit sieben Jahren bekommt Wolf einen Helm, der ihn vor der Sonne schützen soll und den er fortan stets tragen muss, wenn er nach draußen geht. Seine Mutter ist der festen Überzeugung, er habe die Mondscheinkrankheit. Wolf ist nicht unglücklich mit seinem Helm, er isoliert ihn von den anderen Kindern – und das ist ihm ganz recht so. Nur Lina lässt sich von dem Helm auf Wolfs Kopf nicht abschrecken – sie wird so etwas wie eine Freundin für ihn. Als ein Mann in das Leben von Wolfs Mutter tritt, ändert sich Wolfs Leben gänzlich: Ein Arzt erkennt, dass die Geschichte mit der Mondscheinkrankheit eine Lüge ist. Wolf darf seinen Helm wieder abziehen – doch an seiner Isolation von seinen Mitmenschen ändert das nichts. Als seine Mutter stirbt, geht Wolfs Stiefvater mit dem kleinen Halbbruder zurück nach England und Wolf wächst fortan bei seinem Großvater auf.

Auch als Erwachsener bleibt Wolf einsam, lässt keine richtige Nähe zu anderen Menschen zu – auch nicht zu Lina, mit der er mittlerweile zusammen ist. Das ändert sich allerdings, als sein Halbbruder Freddy in sein Leben tritt. Ohne es zu merken, wird Wolf in einen erbitterten Kampf hineingezogen – in einen Kampf um die Wahrheit seines eigenen und auch der von Freddys Leben...

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Er ist ein seltsamer Protagonist, dieser Wolf, der große Teile seiner Kindheit mit einem Helm auf dem Kopf zubrachte, weil seine Mutter ihm eine Krankheit einredete, die er gar nicht hatte. Verschroben, distanziert, wunderlich sind die Attribute, die einem zu dieser Figur einfallen, er ist ein Mensch, der keine Nähe zulassen möchte und sich dennoch nach Zugehörigkeit sehnt. Gerade diese Widersprüchlichkeit ist es, die einen auf eigenartige Weise zu diesem Wolf hinzieht – mal fühlt man sich abgestoßen von seiner scheinbaren Gleichgültigkeit gegenüber seinen Mitmenschen, mal empfindet man gerade deshalb tiefes Bedauern für ihn. Vieles an dieser Geschichte, die uns der unerkannt bleiben wollende R. R. Sul erzählt, mutet seltsam und fremd an – und Vieles bleibt bis zum Schluss im Dunkeln und unerklärt. „Das Erbe“ ist kein Roman, den man einfach in einem Rutsch durchlesen und dann zur Seite legen kann. Diese Geschichte nimmt einen mit in die verworrenen und verschlungenen Tiefen der menschlichen Seele und erweckt eine eigenartige Stimmung aus Faszination, Unverständnis und vielen ungeklärten Fragen.

Dreh- und Angelpunkt von „Das Erbe“ ist Wolf, aus dessen Perspektive diese Geschichte erzählt wird. Vor allem die vielen Wandlungen, die dieser Anti-Held im Verlauf der Erzählung durchmacht, faszinieren einerseits, erfüllen den Leser auf der anderen Seite aber auch mit Unverständnis. In „Das Erbe“ erzählt R. R. Sul eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt, die teilweise berührend und faszinierend zugleich ist, den Leser aber immer wieder auch an die Grenzen des Verstehbaren bringt. Ganz sicher keine locker-leichte Lektüre aber unterm Strich eine, die sich in jedem Fall lohnt.

R. R. Sul möchte unerkannt bleiben. Der Name ist ein Pseudonym.

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