Wir sind das Klima!

Autor: Jonathan Safran Foer
Genre: Sachbuch
Verlag: Kiepenheuer&Witsch
ISBN: 978-3-462-32021-3
Erscheinungsdatum (D) 12.09.19 Erschienen 2019
Seiten 336
Übersetzung Stefanie Jacobs, Jan Schönherr

Wir sind das Klima! We Are the Weather Saving the Planet Begins at Breakfast

Inhalt

Der Klimawandel und unser Umgang damit ist eines der prägenden Themen unserer Zeit. Eine, wenn nicht die zentralste Herausforderung, der sich die Menschheit stellen muss. Auf der Suche nach Lösungen treffen oft öffentlichkeitswirksam die extremen Ränder aus Leugnern und radikalen Aktivisten in der Berichterstattung aufeinander. Dabei bleibt die Thematik komplex und die Diskussion immer emotional aufgeladen. Nicht selten hat man dabei auch den Eindruck, dass die Lobbyisten der betroffenen Wirtschaftszweige und Interessengruppen hier zur Höchstform auflaufen.

Was beim einzelnen „Otto Normalverbraucher“ bleibt, ist eine gewisse Hilflosigkeit ob der Komplexität des Themas und das Schwanken zwischen der Illusion, die Lösung möge doch ganz weit weg von eigenen Veränderungen liegen und dem Wunsch, selbst mit seinem Handeln wirksam werden zu können.

Genau das treibt auch Jonathan Safran Foer um, den Autor, der mit „Tiere essen“ zum radikalen Verzicht auf tierische Produkte aufrief. In „Wir sind das Klima“ widmet er sich der Problematik auf sehr persönliche Weise und schreckt dabei auch vor einer kritischen Selbstreflexion nicht zurück. Und er hat einen Lösungsansatz im Gepäck, der in kleinen Schritten für jeden eine Handlungsoption bietet…

Buchkritik von Melanie  Frommholz

„Wir müssen uns zwingen, vor den Spiegel zu treten, und wir müssen uns zwingen hineinzusehen. Wir müssen unentwegt mit uns selbst im Gespräch bleiben, damit wir tun, was getan werden muss.“ (Jonathan Safran Foer)

Jonathan Safran Foer macht in „Wir sind das Klima“ genau das. Er schaut in den Spiegel und versucht den ehrlichen Blick auf eigene Unzulänglichkeiten, seine eigene Bequemlichkeit und die Unlust Liebgewonnenes loszulassen. Es ist sein Weg, beim Leser anzudocken und die Dringlichkeit seiner Mission, einen Beitrag zur Rettung unserer Erde beizutragen, zu platzieren. Unbestritten braucht es genau diese persönliche Betroffenheit des Einzelnen, es braucht neben den großen Lösungen und den politischen Rahmenbedingungen die vielen kleinen Schritte von jedem von uns, damit wir unseren Planeten als die lebenswerte Heimat erhalten, die sie heute zumindest in weiten Teilen (noch) ist.

Gerade in der ersten Hälfte des Buches verfängt der Ansatz von Jonathan Safran Foer sehr gut, denn er paart ihn mit Faktenwissen und vielen Geschichten über die mutigen Taten einzelner, die im Rückblick viel bewegt haben. Er vermittelt so eindringlich seinen Ansatz, dass der Einzelne sehr wohl etwas bewirken kann. Sein Talent, die richtigen Worte zur richtigen Zeit zu finden wird hier deutlich.

Leider löst sich die Stringenz dieses Ansatzes im Laufe des Buches mehr und mehr auf, hat er erst mal seine Lösungsidee zur Klimarettung „aus dem Sack gelassen“. Je stärker Jonathan Safran Foer in den inneren Dialog mit sich selbst oder in seine persönliche Familiengeschichte eintaucht, desto mehr verliert sich die Verbindung zum eigentlichen Thema „Klima“. Mal sind es die gewählten stilistischen Mittel, mal ist es ein allgemeines Abschweifen, was dem Buche seine zu Anfang so geschickt aufgebaute Dringlichkeit und damit den Lesesog raubt.

Die Analogien, die Foer aufzuzeigen versucht, sind nicht mehr so zwingend wie in den ersten Kapiteln, die Vergleiche nicht mehr ganz so treffend bzw. nicht mehr so aufrüttelnd erzählt. Je mehr er sein persönliches Ringen in den Mittelpunkt rückt, desto mehr bekommt er den roten Gesamtfaden des Buches nicht mehr richtig zu fassen. So verliert „Wir sind das Klima“ trotz wichtigem Thema, guten Botschaften und hilfreichen Lösungsansätzen den Drive des Beginns bis zum Ende mehr und mehr und damit leider auf die Aufmerksamkeit des Lesers.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen