Schattenmord

Autor: Fran Dorricott
Genre: Thriller
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-48730-1
Erscheinungsdatum (D) 18.06.19 Erschienen 2019
Seiten 478
Übersetzung Claudia Franz

Schattenmord After the Eclipse

Inhalt

Es ist der Tag der Sonnenfinsternis im Jahr 1999, und sämtliche Bewohner des beschaulichen englischen Städtchens Bishop’s Green sind auf den Beinen, um das seltene Naturschauspiel zu beobachten. Die beiden Schwestern Cassie und Olive verbringen den Sommer bei ihren Großeltern in Bishop’s Green und fiebern ebenfalls dem aufregenden Ereignis entgegen. Während die ältere Cassie abgelenkt ist, verschwindet die elfjährige Olive in der Menge – und soll nie wieder auftauchen.

Sechzehn Jahre später kehrt Cassie Warren zurück nach Bishop’s Green, um sich um ihre an Demenz erkrankte Großmutter zu kümmern. Cassie ist mittlerweile Journalistin, hat gerade eine gescheiterte Beziehung hinter sich und ist dankbar, dem Großstadtleben Londons den Rücken kehren zu können. Olives Schicksal hat sie in all den Jahren nicht losgelassen, es vergeht kein Tag, an dem sie nicht darüber nachgrübelt, was wohl mit ihrer Schwester geschehen ist, und die Schuldgefühle haben ein regelrechtes Wrack aus ihr gemacht. Wieder steht eine Sonnenfinsternis bevor, und als kurz vorher wieder ein Mädchen verschwindet, ist sich Cassie sicher, dass Olives Entführer erneut zugeschlagen hat. Verzweifelt versucht sie, ihre Jugendfreundin Marion, die jetzt Polizistin ist, von ihrer Theorie zu überzeugen, doch nicht nur bei ihr stößt sie damit auf Unverständnis. Cassie bleibt nichts anderes übrig, als auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen, ist sie doch überzeugt, nur so herausfinden zu können, was damals mit ihrer Schwester geschehen ist…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

„Schattenmord“ ist Fran Dorricotts Debütroman, was an der noch etwas ungelenken Erzählweise und der leicht unscharfen Charakterzeichnung deutlich wird. Es ist spürbar, dass es Dorricott noch an Routine mangelt, wodurch sich in der Geschichte die eine oder andere unklare Ecke und Kante finden lässt. Vor allem das Verhalten der Protagonistin Cassie ist nicht immer ganz nachvollziehbar, und bis zum Schluss weiß man nicht so recht, ob man sie nun eigentlich mag oder eher nicht. Andererseits gelingt es Dorricott äußerst gut, die Folgen von Cassies schwerem Trauma aufzuzeigen und deutlich zu machen, wie sehr deren Leben seit dem Tag von Olives Verschwinden aus den Fugen geraten ist. Trotz einiger Schwachpunkte erzählt die Autorin hier eine bewegende und klug konstruierte Geschichte und beweist dabei ein großes Gespür für die Untiefen der menschlichen Seele.

Ohne an dieser Stelle zuviel verraten zu wollen, muss doch gesagt werden, dass „Schattenmord“ mit einigen klaustrophobischen, Gänsehaut erzeugenden Szenen aufwartet, die wirklich großartig gelungen sind. Zudem gelingt es der Autorin, ihre Leser lange Zeit völlig im Dunkeln tappen zu lassen, und auch wenn man gegen Ende ahnt, wer der wahre Täter ist, kommt die Auflösung dann wirklich überraschend. Auch wenn „Schattenmord“ nicht auf ganzer Linie überzeugen kann, wird doch deutlich, dass die Autorin durchaus über Potential verfügt und noch deutlich Luft nach oben ist. Den Namen Fran Dorricott dürfen Thriller-Fans sich also gerne merken.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen