Lieblingskind

Autor: C.J. Tudor
Genre: Thriller
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-20579-0
Erscheinungsdatum (D) 15.07.19 Erschienen 2019
Seiten 448
Übersetzung Werner Schmitz

Lieblingskind The Taking of Annie Thorne

Inhalt

Joe Thorne ist in vielerlei Hinsicht das, was man als eine gescheiterte Existenz bezeichnen könnte. Nachdem der Lehrer an seiner alten Schule auf unehrenhafte Weise entlassen wurde, tritt er eine Stelle an seiner früheren Schule in Arnhill an – dem Ort, an den er niemals wieder zurückkehren wollte. Doch eine schockierende Botschaft zwingt Joe dazu, zurück zu seinen Wurzeln zu gehen, dorthin, wo er aufgewachsen war und wo sein Leben einst auf grausame Weise zerbrach. Offenbar ist das Unheil, das damals Arnhill auf furchtbare Weise heimsuchte wieder zurückgekehrt. Als Joe und seine geliebte kleine Schwester Annie Kinder waren, verschwand Annie eines Nachts auf mysteriöse Weise und ließ Joe mit schrecklichen Schuldgefühlen und namenloser Angst zurück. Jetzt sieht es so aus, als wäre das Unheil zurückgekehrt und suche sich erneut seine Opfer.

Joe will endlich Antworten auf seine unzähligen Fragen bekommen, er möchte wissen, wer all die Menschen auf dem Gewissen hat, die in Arnhill auf ungeklärte Weise verschwanden. Bis heute ist für ihn nämlich nicht geklärt, was damals tatsächlich mit Annie geschah. Denn nach ihrer Rückkehr war sie nicht mehr dieselbe – der Tag, an dem sie zurückkehrte war der schlimmste in Joes Leben…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Wer Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ kennt, wird sich beim Lesen der Inhaltsangabe von „Lieblingskind“ auf vage Art und Weise an diesen Horrorthriller erinnert fühlen. Tatsächlich greift C. J. Tudor in ihrem Thriller die Motive aus Kings Klassiker auf – und tritt damit in äußerst große Fußstapfen. Auch wenn es ihr unheimlich gut gelingt, für Gänsehaut und atemlose Spannung zu sorgen, sind die Parallelen zum Grundmotiv von „Friedhof der Kuscheltiere“ leider nur allzu deutlich, was Tudors Geschichte vor allem zum Ende hin ein bisschen zu sehr wie eine Kopie erscheinen lässt. Gelingt es einem, die ins Auge springenden Ähnlichkeiten auszublenden, erweist sich „Lieblingskind“ als durchaus spannender und gekonnt konstruierter Lesegenuss, dem ein latenter Unterton von Bedrohung zugrunde liegt.

Berücksichtigt man die gegen Ende mehr und mehr ins Mystische abgleitende Handlung, hätte „Lieblingskind“ wohl eher die Genrebezeichnung „Horror“ verdient, haben die übersinnlichen Motive doch immer weniger mit einem Thriller gemein. Bei der Zeichnung ihrer Figuren beweist Tudor ein gutes Gespür, vor allem der am Leben gescheiterte Joe überzeugt auf ganzer Linie und bildet die Schlüsselfigur, der man gerne noch weiter folgen würde. Die wahren Hintergründe dessen, was damals, in jener mysteriösen Nacht, tatsächlich geschehen ist, bleiben bis zum Ende im Dunkeln und sorgen beim Leser für manch atemloses Aha-Erlebnis. Doch auch wenn „Lieblinskind“ laut Buchcover von Stephen King selbst empfohlen wird, hätte man sich doch etwas mehr eigenen Ideenreichtum der Autorin gewünscht.

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