Der dunkle Garten

Autor: Tana French
Genre: Roman
Verlag: FISCHER Scherz
ISBN: 978-3-651-02562-2
Erscheinungsdatum (D) 28.12.18 Erschienen 2018
Seiten 656
Übersetzung Ulrike Wasel, Klaus Timmermann

Der dunkle Garten The Witch Elm

Inhalt

Toby Hennessy ist achtundzwanzig Jahre alt und lebt ein unbeschwertes und sorgloses Leben in Dublin. Er ist einer dieser Typen, den alle mögen und der es niemals schwer hat, Kontakte zu finden. Doch auch wenn er ein Charmeur ist, liebt er seine Freundin Melissa aufrichtig und denkt sogar darüber nach, ihr einen Heiratsantrag zu machen. Doch dann kommt die Nacht, die Tobys Leben unwiederbringlich verändert. In jener Nacht wird er in seiner Erdgeschosswohnung in der City überfallen und aufs Brutalste zusammengeschlagen. Nur ganz knapp kommt Toby mit dem Leben davon, muss lange Zeit im Krankenhaus verbringen und fühlt sich wie ein lebendes Wrack, als er endlich nach Hause entlassen wird. Doch seine Wohnung fühlt sich nicht mehr wie ein Zuhause an, Nacht für Nacht liegt er schweißgebadet in seinem Bett und lauscht auf verdächtige Geräusche. Deshalb scheint die Bitte von Tobys Familie, er möge sich um seinen sterbenden Onkel Hugo kümmern, die perfekte Lösung zu sein.

Gemeinsam mit Melissa zieht Toby zu Onkel Hugo ins „Efeuhaus“ und fast scheint es, als könne er hier wieder zur Ruhe kommen und von den schrecklichen Ereignissen genesen. Doch nach und nach offenbart der dunkle, von Bäumen beschattete Garten des Hauses ein dunkles und schreckliches Geheimnis, und plötzlich findet Toby sich in einem regelrechten Albtraum wieder. Ganz allmählich geht ihm auf, dass etwas in seiner Vergangenheit lauert, das endlich ans Tageslicht kommen will. Doch Toby kann sich seit dem Überfall nicht mehr auf seine Erinnerungen verlassen und verliert sich allmählich in einem Labyrinth aus Lügen und Albträumen…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Tana Frenchs Roman „Der dunkle Garten“ fasziniert von der ersten Seite an durch seine unheilschwangere, von latenter Gefahr durchdrungene Atmosphäre, die nach der Schilderung des brutalen Überfalls auf den Protagonisten immer obskurere Züge annimmt. Dabei gelingt es ihr, die Motive sämtlicher tragender Figuren ihrer Geschichte weitestgehend im Dunkeln zu lassen, so dass man bis zum Schluss nicht sicher sein kann, wem man hier trauen darf und wem lieber nicht. Die Zeichnung der Charaktere ist messerscharf und lässt zugleich Spielraum für jede Menge Spekulationen und Vermutungen. Immer wieder wird man als Leser mit aufwühlenden Wendungen konfrontiert, die wie aus heiterem Himmel auf die Handlung einstürmen und alles ad absurdum führen, was man bisher als gesichert vermutete. Mit leichter Hand erzählt French dabei das Psychogramm einer Familie und lässt Sequenzen aus der Vergangenheit einfließen, die ein immer vielschichtiger werdendes Gesamtbild ergeben.

„Der dunkle Garten“ ist ein Roman, der ebenso durch seiner erzählerische Wucht überzeugt, wie durch Tana Frenchs feines Gespür für die vielfältigen Nuancen der menschlichen Psyche. Dabei gelingt ihr das Kunststück, nicht nur mit dem Verstand ihrer Hauptfigur zu spielen, sondern auch mit dem der Leser und sie mit jeder umgeblätterten Seite mehr in Hochspannung zu versetzen. Bildgewaltig und mit der großen Gabe, Stimmungen einzufangen und zum Leser zu transportieren, erzählt uns French hier eine Geschichte über den Verlust von Identität und die trügerische Kraft von Erinnerungen. Mit „Der dunkle Garten“ beweist sie, dass sie noch viel mehr ist, als eine großartige Spannungsautorin. Mit ihrer nuancierten und bildreichen Sprache nimmt sie uns auf leisen Füßen mit in die geheimnisvolle und von Efeu überwucherte Welt von „Ivy House“ und lässt uns hier Zeugen einer Geschichte werden, die wir so schnell nicht wieder vergessen werden.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen