Nach der Flut das Feuer

Autor: James Baldwin
Genre: Erzählung
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28181-2
Erscheinungsdatum (D) 31.01.19 Erschienen 1963
Seiten 128
Übersetzung Miriam Mandelkow

Nach der Flut das Feuer The Fire Next Time

Inhalt

James Baldwin, eine der ganz wichtigen Stimmen der US-Bürgerrechtsbewegung, wurde bereits im Alter von zehn Jahren mit der Ungerechtigkeit weißer Polizeigewalt konfrontiert. In „Nach der Flut das Feuer“ macht der Autor in den beiden Briefen „Mein Kerker bebte“ und „Vor dem Kreuz“ deutlich, welches Schicksal Menschen seiner Hautfarbe in den USA zu erleiden haben. In ihrem Vorwort zieht Jana Pareigis unter anderem Parallelen zur heute aktueller denn je gewordenen Flüchtlings-Diskussion.

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Wer in der heutigen Zeit James Baldwins aus dem Jahr 1963 stammenden Essay „Nach der Flut das Feuer“ zur Hand nimmt, gewinnt fast schon den Eindruck, als habe der Autor seine Worte auch ganz direkt an die europäische Bevölkerung der Gegenwart und deren Umgang mit Flüchtlingen aus aller Welt gerichtet. Vor allem der Mangel an Empathie angesichts der unzähligen Menschen, die im Mittelmeer auf der Flucht ertrinken, spiegelt sich in Baldwins Worten wider, die damit eine fast schon prophetische Bedeutung erhalten. Gerade deshalb ist „Nach der Flut das Feuer“ ein Buch, das in seiner Wortgewalt heute aktueller zu sein scheint denn je. Auf fast schon schmerzhafte Weise setzt James Baldwin sich hier mit seiner eigenen Identität, seiner Hautfarbe auseinander und zeigt in atemberaubender Schärfe auf, was weiße Amerikaner schwarzen Amerikanern antun. Rassismus in all seiner Brutalität, Menschenverachtung und Überheblichkeit bekommt hier ein hassverzerrtes Gesicht – ein Gesicht, das wir nur zu gut auch von deutschen Straßen und Plätzen kennen.

In „Mein Kerker bebte“, seinem Brief an seinen Neffen James, macht Baldwin dem Mut, trotz, oder gerade wegen seiner Herkunft, seinen Weg zielstrebig zu gehen. Die Worte, die der Autor hier wählt, sind durchdrungen von zärtlicher Fürsorge und tiefer Zuneigung und berühren auch den Leser ganz tief im Inneren. Im zweiten Text „Vor dem Kreuz“ nimmt uns Baldwin mit zurück in seine eigene Jugend und erzählt von der Macht, die Religion damals auf ihn ausübte. Man kann einfach nicht anders, als ehrfürchtig das Haupt zu senken angesichts James Baldwins poetischer und kraftvoller Prosa, die die Essenz seiner Worte deutlich hervorarbeitet und sich ganz offensichtlich in jedem Augenblick der Wahrheit verpflichtet fühlt. „Nach der Flut das Feuer“ ist ein zutiefst menschliches Plädoyer für die Menschenrechte, das mit ungeheurer Wucht für die Gleichheit aller Menschen kämpft – und dabei deutlich macht, dass die genannten Probleme keinesfalls nur in der amerikanischen Kultur beheimatet sind.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen