Maschinen wie ich

Autor: Ian McEwan
Genre: Roman
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-07068-2
Erscheinungsdatum (D) 22.05.19 Erschienen 2019
Seiten 405
Übersetzung Bernhard Robben

Maschinen wie ich Machines like me (and people like you)

Inhalt

Charlie ist Anfang dreißig und lebt im London der 1982er Jahre. Gerade hat Großbritannien den Falkland-Krieg verloren, und dank der Forschung von Alan Turing gibt es bereits Internet, Handys und selbst fahrende Autos. Besonders fasziniert ist Charlie allerdings von den ersten täuschend echten künstlichen Menschen, denn bereits seit seiner Kindheit interessiert er sich für künstliche Intelligenz und Turing ist sein erklärtes Idol. Als die ersten Androiden auf den Markt kommen, zögert er keine Sekunde und gibt ein kleines Vermögen für einen „Adam“ aus. Seine Vorstellung ist es, mit Adam einen Freund und Gesprächspartner zu bekommen, jemanden, der ganz und gar für ihn da ist. Just als Adam in sein Leben tritt, verlieben Charlie und Miranda, seine Nachbarin und clevere Studentin sich ineinander, wodurch Adam unmittelbar zum Dritten in deren Liebesbeziehung wird. Charlie gefällt die Idee, gemeinsam mit Miranda Adams Wesensmerkmale zu „programmieren“, doch er ahnt nicht, dass er mit Adam einen Rivalen um Mirandas Liebe bekommt – und dass Adam zu einer moralischen Herausforderung für ihn werden wird, die ihn bald schon an die Grenzen seiner Persönlichkeit bringt…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Mit „Maschinen wie ich“ ist Ian McEwan ein herausragender Roman gelungen, der sich mit dem Thema künstliche Intelligenz befasst und die Frage stellt, wie wir Menschen damit umgehen, wenn eine so genannte Maschine moralische Prinzipien und Gefühle besitzt, die unsere eigenen um ein Weites übersteigen. Der besondere Reiz dieser Geschichte ist es, dass McEwan diese nicht etwa in der Zukunft, sondern vielmehr zu Beginn der Achtzigerjahre des vergangnen Jahrhunderts angesiedelt hat, einer Zeit also, in der der Falklandkrieg die Thatcher-Regierung sicherte und zementierte. Nur schreibt der Autor die Geschichte dabei komplett um, entwirft das Szenario eines verlorenen Krieges für Großbritannien und dem damit verbundenen Ende der Thatcher-Ära. Auch die Vision von einer Wiedervereinigung der Beatles mit einem noch lebenden John Lennon und dem missglückten Attentat auf John F. Kennedy findet hier einen stimmigen Platz in einer einfach nur großartig konstruierten Geschichte. Der aufmerksame Leser wird mit unzähligen Anspielungen auf längst vergangene Ereignisse belohnt, die der Autor hier in einem stimmigen Kontext komplett neu erfindet und damit für so manchen Aha-Moment sorgt.

Besonders berührend hierbei ist aber zweifelsohne der eigentliche Protagonist – Adam – ein Android, der mit seinen hohen moralischen Ansprüchen und seinen zutiefst menschlichen Gefühlen Charlies gesamte Welt auf den Kopf stellt. Auf faszinierende Weise gelingt es McEwan, gerade ihn zur eigentlichen Identifikationsfigur zu machen und beim Leser die stärksten empathischen Gefühle für die einzige Figur im Roman zu wecken, die nicht menschlich, sondern eine so genannte Maschine ist. Auf bewundernswerte Weise hält der Autor uns hier einen moralischen Spiegel vor, macht uns unsere eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten nur allzu bewusst und lässt uns diesen Adam zutiefst in unser Herz schließen. „Maschinen wie ich“ ist ein nachdenklich stimmender philosophischer Roman, der uns allen die Frage stellt, welcher Mensch wir sein wollen – und welcher wir tatsächlich sind.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen