Das wilde Herz

Autor: Andrea Ce Carlo
Genre: Roman
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-30074-1
Erscheinungsdatum (D) 20.03.19 Erschienen 2014
Seiten 464
Übersetzung Maja Pflug, Petra Kaiser

Das wilde Herz Cuore primitivo

Inhalt

Als die temperamentvolle Bildhauerin Mara Abbiati und der berühmte Anthropologe Craig Nolan einander kennenlernten, war Maras Ferienhaus in Ligurien wie ein verstecktes Paradies für die beiden Frischverliebten. Doch nach einigen Jahren der Ehe ist das heruntergekommene Haus zwischen Meer und Apennin mehr und mehr zu einem Ärgernis für Craig geworden. Nach einem Gewitter bleibt ihm nichts anderes übrig, als aufs Dach zu klettern, um die Stelle zu finden, durch die es ins Schlafzimmer regnet. Durch eine unvorsichtige Bewegung kracht er durch das morsche Gebälk und zieht sich eine üble Verletzung am Bein zu. Auch wenn Craig eigentlich keine Lust hat, viel Geld in das baufällige Gebäude zu investieren, bleibt dem Ehepaar nichts anderes übrig, als sich nach einem Dachdecker umzusehen. Schließlich geraten sie an Ivo Zanovelli, einen durchs Land tingelnden Aussteiger mit undurchsichtiger Vergangenheit.

Während Craig sich beleidigt in das Haus der älteren Nachbarin zurückzieht, um dort in Ruhe arbeiten zu können, wird Mara unwillkürlich in den Bann des mysteriösen Ivo gezogen. Obwohl ihr klar ist, dass sie damit ihre Ehe aufs Spiel setzt, lässt sie zu, dass Ivo ihr immer näher kommt – während sie den mürrischen Craig zusehends aus den Augen verliert…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Andrea De Carlo versteht es, das oftmals komplizierte Beziehungsgefüge seiner Protagonisten in den Mittelpunkt seiner Romane zu rücken und dabei ganz alltägliche Situationen heraufzubeschwören, in denen der Leser sich selbst wieder finden kann. Auch in „Das wilde Herz“ kreist der Italiener um eine Paarbeziehung, die sich allerdings unversehens zu einer fatalen ménage à trois entwickelt. Vor allem De Carlos Schilderung der immer schwieriger werdenden Beziehung zwischen Mara und Craig verdient Aufmerksamkeit, gelingt es ihm doch, dieses sich schleichende Entfremden vollkommen überzeugend auf den Punkt zu bringen. Er arbeitet dabei die Unterschiede in Charakter und Mentalität heraus, die zu Anfang der Beziehung noch reizvoll gewesen sein mögen, nun aber immer mehr zum Stolperstein dieser Ehe zu drohen werden. Mit dem mysteriösen Aussteiger Ivo bringt der Autor dann einen Kontrahenten ins Spiel, der das immer mühsamer aufrecht gehaltene Gleichgewicht endgültig ins Wanken bringt.

Auch wenn Andrea De Carlo mit der Zeichnung seiner Charaktere durch und durch überzeugend ist, darf nicht verschwiegen werden, dass sich im Plot einige etwas zu langatmige Stellen eingeschlichen haben, die den Lesefluss immer wieder stocken lassen. Die Geschichte um die Künstlerin, den Wissenschaftler und den Aussteiger, die im heißen ligurischen Sommer umeinander kreisen, versetzt den Leser hin und wieder in einen Zustand der Lethargie, der durch etwas mehr Tempo in der Handlung hätte vermieden werden können. Dennoch gelingt es De Carlo, seine Geschichte schließlich zu einem stimmigen und überzeugenden Ende zu führen, das den Figuren von „Das wilde Herz“ zutiefst gerecht wird.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen