Goldschatz

Autor: Ingrid Noll
Genre: Roman
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-07054-5
Erscheinungsdatum (D) 27.02.19 Seiten 358

Goldschatz

Inhalt

Eines steht für Trixi, von ihrem Freund Henry nur liebevoll Zicklein genannt, fest: Tante Emmas altes Bauernhaus darf keinesfalls abgerissen werden! Deshalb überredet sie ihre Eltern nach Emmas Tod, dass sie selbst dort vorübergehend einziehen darf. Damit sie und Henry sich die aufwendigen und teuren Instandhaltungskosten leisten können, wollen sie aus dem Bauernhaus eine Studenten-WG machen – denn schließlich muss man der heutigen Wegwerfgesellschaft doch zeigen, wie man aus Altem wieder Neues machen kann. Zusammen mit drei anderen Mitbewohnern machen Trixi und Henry sich daran, das baufällige Gemäuer eigenhändig wieder instand zu setzen. Beim Aufräumen, Putzen und Ausmisten stoßen die jungen Leute auf allerhand Kurioses. Über seltsame Fundstücke wundern sie sich nicht, als sie hingegen auf menschliche Knochen im Gemüsegarten stoßen, schwant ihnen, dass es bei Trixis Vorfahren nicht immer mit rechten Dingen zuging.

Neben manchem Flohmarktartikel, der sich lukrativ zu Geld machen lässt, findet sich in Tante Emmas Haus aber auch ein regelrechter Goldschatz, der für die Renovierung wie gerufen kommt. Doch wie gewonnen, so zerronnen – kaum halten Trixi und Henry die wertvollen Goldmünzen in Händen, als sie auch schon wieder spurlos verschwinden. Ihr kauziger alter Nachbar, angeblich einstmals Emmas Geliebter, beansprucht den Goldschatz für sich – und unversehens verlieren die WG-Bewohner, die dem Konsumrausch doch widerstehen wollten, ihre Ideale aus den Augen. Es beginnt zu kriseln in der neu gegründeten Wohngemeinschaft – und das mit tragischen Folgen…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Wie keine andere versteht es Ingrid Noll, auf liebevoll sarkastische Art von den kleinen und großen Schwächen der menschlichen Spezies zu berichten und die Marotten und Eigenheiten ihrer Figuren auf herrlich komische Weise auf die Schippe zu nehmen. Dieses Können hat sie in überaus erfolgreichen Romanen wie „Die Häupter meiner Lieben“, „Die Apothekerin“ oder „Der Hahn ist tot“ immer wieder aufs Neue unter Beweis gestellt und ihren Lesern die Lachtränen in die Augen getrieben. In ihrem neuen Roman „Goldschatz“ erzählt sie von einer Studenten-WG mit hehren Zielen und Idealen – und trifft leider nur bedingt den Ton der Zielgruppe ihrer Protagonisten. Bei allem Witz und schwarzem Humor, den Noll nach wie vor par excellence beherrscht, will ihr die Sprache der jungen Leute, über die sie hier schreibt, nicht überzeugend aus der Feder fließen, was diesem Roman viel von seiner Überzeugungskraft nimmt.

Auch die Verwicklungen, die Fallgruben, in die die Protagonisten stolpern und die bitterbösen Intrigen, die wir von Ingrid Noll so gut kennen, wirken in „Goldschatz“ etwas zu mild und abgeschwächt, um den Leser wirklich zu überzeugen. Nolls Sprache und ihr messerscharfer Wortwitz machen dennoch großen Spaß und unterhalten wie gewohnt auf hohem Niveau. Die Autorin erzählt hier eine nette, teilweise auch wirklich witzige und tragikomische Geschichte, der es allerdings an Biss und bitterbösem Humor fehlt, die wir doch so sehr an Ingrid Noll kennen und lieben.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen