Irgendwann wird es gut

Autor: Joey Goebel
Genre: Kurzgeschichten
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-07059-0
Erscheinungsdatum (D) 27.02.19 Erschienen 2018
Seiten 320
Übersetzung Werner Herzog, Hans M. Herzog

Irgendwann wird es gut I Know It's Going to Happen for You Someday

Inhalt

Jeden Abend wartet ein junger Mann mit zwei Drinks auf seine Angebetete – sie kommt wie immer pünktlich…im Fernsehen.
Mutter und Sohn leben in einer schicksalhaften Gemeinschaft zusammen unter einem Dach – auch wenn er schon längst erwachsen ist und sich nach einer Beziehung sehnt.
Luke hat einen neuen Song geschrieben – einen, der anders ist, als alle bisherigen. Dann folgt sein erstes richtiges Konzert…das anders verläuft, als der junge Mann sich das vorgestellt hatte.
Lukes kleine Schwester Curly verbringt ihre Nachmittage in einem Antik-Markt und freut sich Tag für Tag auf die Gesellschaft von Mr. Baynham, einem älteren Herrn, mit dem die Zeit wie im Flug vergeht. In ihrer Schule stößt sie allerdings auf wenig Verständnis für diese Freundschaft der besonderen Art.
Winston kann einfach nicht anders, als sämtliche Gegenstände, die ihn mit seiner Vergangenheit verbinden, um sich herum zu horten. Erst, als er durch das Fenster seines Hauses, das zu verlassen er nicht mehr in der Lage ist, eine Frau beobachtet, erkennt er, wie sehr sein zugemülltes Haus zu einem Gefängnis geworden ist.
Stephanie ist Lehrerin und hat ihren Schülern angeboten, sie zu jeder Tages- und Nachtzeit abzuholen, wenn sie nicht wissen, wie sich nach Hause kommen sollen. Als ein Schüler dieses Angebot annimmt, erkennt sie, in welch schiefen Bahnen ihr eigenes Leben gerade verläuft…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Joey Goebel vereint in seinem ersten Kurzgeschichtenband die Schicksale all dieser außergewöhnlichen, teilweise recht skurrilen und auch einsamen Menschen, die eines gemein haben: Sie alle leben in einem kleinen Städtchen in Kentucky. Doch im Laufe der Lektüre wird dem Leser bewusst, dass die insgesamt zehn Kurzgeschichten von „Irgendwann wird es gut“ noch in vielerlei mehr Hinsicht miteinander in Verbindung stehen. Auf seine ganz eigene, außergewöhnliche und fast schon zärtliche Erzählweise gelingt es Goebel, seine Leser in seinen Bann zu ziehen und von Menschen zu erzählen, die so authentisch erscheinen, dass sie vor dem inneren Auge vorbeizutanzen scheinen. Goebels Protagonisten sind allesamt nicht das, was man gemeinhin als die breite Masse bezeichnen könnte. Vielmehr bekommen wir es hier mit gescheiterten Existenzen zu tun, mit Menschen, die an sich und ihrem Leben verzweifeln, die genau spüren, dass sie nicht dazu gehören. Die Art, wie der Autor von seinen Figuren erzählt, ist zutiefst berührend und auf bewegende Weise liebevoll und zugewandt.

Je länger man sich der Lektüre von „Irgendwann wird es gut“ hingibt, desto mehr entsteht der Eindruck, es hier gar nicht mit zehn unterschiedlichen Kurzgeschichten zu tun zu haben, sondern vielmehr mit einem Roman, der aus mehreren Einzelgeschichten besteht. Das macht den besonderen Reiz von Joey Goebels Buch aus, fühlt man sich doch, im Gegensatz zu den üblichen Kurzgeschichtenbänden, in eine sich immer weiter ausdehnende Geschichte eingebunden und dadurch emotional tiefer berührt. Der rote Faden, der sich durch alle Erzählungen zieht, ist die Einsamkeit der Protagonisten oder auch deren Unfähigkeit, Kontakt zu anderen aufzunehmen. „Irgendwann wird es gut“ ist ein wunderbarer Kurzgeschichtenband, der mit facettenreichen und zutiefst authentischen Figuren aufwartet und auf berührende Weise von der Einsamkeit und dem Ringen um Hoffnung erzählt.


Im Anhang dieses Kurzgeschichtenbandes findet sich ein Interview des deutschen Autors Benedict Wells mit Joey Goebel.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen