Die schwarze Frau

Autor: Simone St. James
Genre: Roman
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-48822-3
Erscheinungsdatum (D) 18.02.19 Erschienen 2018
Seiten 445
Übersetzung Anne Fröhlich

Die schwarze Frau The Broken Girls

Inhalt

In Vermont wird die Journalistin Fiona Sheridan beharrlich von den Geistern ihrer Vergangenheit heimgesucht: Vor zwanzig Jahren wurde ihre ältere Schwester brutal ermordet, die Ehe ihrer Eltern ging daraufhin in die Brüche, ihre Mutter starb an Krebs und Fionas Vater ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Die Ruine des einstmaligen Internats Idlewild Hall lässt Fiona nicht los, hier wurde damals die Leiche ihrer Schwester gefunden. Nun ist das Areal verkauft, und gerade als mit den Renovierungsarbeiten begonnen wird, findet man die sterblichen Überreste eines Mädchens, das offenbar schon sehr lange in seinem finsteren Grab liegt. Obwohl dieser Ort so schreckliche Erinnerungen in ihr wachruft, beginnt Fiona zu recherchieren und stößt auf ein Geheimnis, das in ferner Vergangenheit seinen Ursprung nahm.

Im Jahr 1950 war Idelwild Hall ein äußerst heruntergekommenes Internat für Mädchen, die keinen Platz in der Gesellschaft fanden. Die Mädchen, die sich in dieser Zweckgemeinschaft arrangiert hatten, erzählten sich düstere Geschichten von der „schwarzen Mary“, die anscheinend in Idlewild Hall umgehen sollte. Als eines Tages eines der Mädchen spurlos verschwand, vermutete man einfach, sie sei ausgerissen und habe einen neuen Ort zum Leben gefunden. Doch Fiona will sich mit dieser billigen Erklärung nicht zufrieden geben, sie beginnt, sich auf die Suche nach Zeitzeugen zu machen – und stößt dabei auf den dunklen Schatten der schwarzen Mary…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Liest man die Inhaltsangabe von Simone St. James’ Roman „Die schwarze Frau“, so schreit alles in ihr förmlich nach einer dunklen, Gänsehaut erzeugenden Geistergeschichte. Sicherlich ist es der Autorin im Ansatz tatsächlich gelungen, einen von finsteren Geheimnissen überschatteten Schauerroman zu erschaffen, doch diese von Angstschauern durchzogene, wohlige Spannung, die man bei solcher Literatur erwarten könnte, will einfach nicht so recht aufkommen. Das mag daran liegen, dass die permanenten Wechsel zwischen der Gegenwart und den traurigen Ereignissen im Jahr 1950 nicht nahtlos ineinander übergehen, sondern immer wieder aufs Neue einen störenden Unterbruch im Erzählfluss bewirken. Doch gerade die Sequenzen aus der Vergangenheit, die durchaus das Potential hätten, mit schaurigen Schauplätzen für Gänsehaut beim Leser zu sorgen, wirken leider zu nüchtern. Hier fehlt einfach die wohlig gruselige Atmosphäre, die ein heruntergekommenes, altes Gebäude normalerweise hergeben würde.

Auch wenn es St. James sehr gut gelingt, die traurige Situation der Mädchen zum Leser zu transportieren, die in der damaligen Gesellschaft keinen Platz fanden und damit aus dem System fielen, fehlen den Figuren doch Tiefgang und Authentizität – und das sowohl bei denen aus der Vergangenheit, als auch bei denen in der Gegenwart. „Die schwarze Frau“ verfügt durchaus über einen gut konstruierten Plot, verschenkt aber leider nicht nur bei der Zeichnung der Charaktere, sondern auch beim Aufbau von atmosphärischer Dichte jede Menge Potential.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen