Der Junge

Autor: Alex Dahl
Genre: Thriller
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-48812-4
Erscheinungsdatum (D) 21.01.19 Erschienen 2018
Seiten 464
Übersetzung Eva Kemper

Der Junge The Boy at the Door

Inhalt

Cecilia Wilborg führt ein Leben, wie es perfekter kaum sein könnte – zumindest von außen betrachtet: Sie lebt mit ihrem erfolgreichen Mann Johan, um den sie von sämtlichen Freundinnen beneidet wird und den beiden gemeinsamen Töchtern in einem prachtvollen Haus in einer friedlichen Kleinstadt in Norwegen. Doch dann taucht der kleine Tobias in Cecilias Leben auf, und nichts ist mehr, wie es vorher war. Tobias steht in der örtlichen Schwimmhalle, niemand holt ihn ab und keiner weiß, wer seine Eltern sind. Cecilia, die mit den beiden Töchtern gerade nach Hause gehen will, wird gebeten, sich seiner anzunehmen, doch aus der einen geplanten Nacht wird unversehens ein Aufenthalt bis auf weiteres. Denn kurz darauf wird eine tote Frau gefunden, von der angenommen wird, dass es sich bei ihr um Tobias’ Mutter handeln muss.

Tobias wird unversehens zu einem Teil von Cecilias Familie, doch je länger er in ihrem Leben weilt, desto mehr bröckelt Cecilias scheinbar so perfekte Fassade. Irgendetwas an Tobias kommt ihr auf seltsame Weise vertraut vor, und ganz allmählich will es ihr nicht mehr gelingen, den Anschein von absoluter Perfektion weiter aufrecht zu halten. Unwillkürlich tun sich finstere Abgründe in Cecilias Leben auf – Abgründe, die alles ins Einstürzen bringen könnten, was sie sich so mühevoll aufgebaut hat…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Selten genug kommt es vor, dass man sich bereitwillig auf eine Geschichte einlassen mag, die von einer derart unsympathischen Hauptfigur dominiert wird, wie das in „Der Junge“ der Fall ist. Doch Alex Dahl gelingt das Kunststück, eine Protagonistin zu präsentieren, die nicht nur überheblich und selbstgerecht zu sein scheint, sondern auch durch und durch egoistisch – und beim Leser doch einen verborgenen Funken von Mitgefühl für diese Cecilia Wilborg zu wecken. Denn immer wieder lässt die Autorin die Hintergründe von Cecilias Geschichte durchblitzen und erzeugt so eine dunkle Atmosphäre voller Andeutungen und finsterer Ahnungen. Auch wenn „Der Junge“ als Psychothriller bezeichnet wird, entpuppt er sich zunehmend als das Psychogramm einer gequälten Seele, die mehr und mehr den Blick für die Grenzen eines ethischen Handelns verliert und der ganz allmählich alles zu entgleiten droht.

Doch bei allem Verständnis für die dunklen Abgründe, die Menschen zu den seltsamsten und perfidesten Taten verleiten können, ist das, was man hier präsentiert bekommt, doch einfach des Guten zuviel. Bei allem Mitgefühl und Verständnis fällt es dennoch schwer, dieser so durchtrieben und gefühllos wirkenden Protagonistin zu folgen und damit auch Alex Dahls Geschichte wirklich nachvollziehen zu können. „Der Junge“ verfügt ganz sicher über einige wirklich überzeugende Attribute, schafft es am Ende aber doch nicht, mit einer runden, in sich stimmigen und wirklich berührenden Geschichte zu überzeugen.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen