Todesschweigen

Autor: Claire Askew
Genre: Krimi
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-48842-1
Erscheinungsdatum (D) 19.11.18 Erschienen 2018
Seiten 528
Übersetzung Michael Benthack

Todesschweigen All the Hidden Truths

Inhalt

Am Three Rivers College in Edinburgh kommt es zu einem fürchterlichen Blutbad: Der junge Amokläufer Ryan Summers erschießt dreizehn Studentinnen und richtet die Waffe dann gegen sich selbst. Chief Inspector Helen Birch ist gerade auf dem Weg zu ihrer neuen Dienststelle, als sie die Nachricht vom Amoklauf erhält und sofort zum Three Rivers College fährt. Dort kann Birch allerdings nur noch die Anzahl der Todesopfer registrieren, die die fassungslos machende Tat Ryan Summers’ gekostet hat. Die Erschütterung unter den Dozenten und Studenten des Three Rivers College ist groß und nicht nur die am Boden zerstörten Angehörigen der Todesopfer quälen sich von nun an mit der Frage nach dem Warum dieses Amoklaufs. Dabei ist es vor allem die fassungslose Mutter Ryans, die zur Zielscheibe des Medieninteresses wird.

Während vor Moira Summers’ Haus die Pressemeute lauert und die verzweifelte Mutter mit abscheulichen Anschuldigungen überhäuft, führen Helen Birch die Ermittlungen direkt in diese Richtung. In Gesprächen versucht sie herauszufinden, ob Ryans Mutter von dessen Plänen wusste. Nicht nur Moira Summers scheint in Helens Augen etwas zu verbergen, auch Ishbel Hodgekiss, die Mutter von Abigail, die das erste Opfer Ryans war, trägt offenbar eine schwere Last mit sich herum, die sie scheinbar nicht loslassen kann…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Auch wenn in der Spannungsliteratur Geschichten um das Thema Amoklauf keine Seltenheit sind, packt die schottische Autorin Claire Askew ihre Geschichte von einer gänzlich anderen Seite an, als man das bisher kennt. Sie befasst sich in „Todesschweigen“ explizit mit der Frage, wie Angehörige nach einer solchen Tat mit den Geschehnissen umgehen, und mit welchen Schuldgefühlen sie hierbei zu kämpfen haben. Askews Fokus liegt dabei zum einen auf der Mutter des Amokläufers und zum anderen auf dem Schicksal der Angehörigen eines der Opfer. Es gelingt ihr dabei eindringlich, die quälenden Fragen, die Ryans Mutter Moira sich von nun an Tag für Tag selbst stellen muss, zum Leser zu transportieren und zugleich zu zeigen, dass die unendliche Trauer um den Sohn für die empörte Öffentlichkeit keine Berechtigung hat. Askew macht deutlich, dass hierbei die eigenen Schuldzuweisungen viel belastender und zermürbender sein können, als die der Außenstehenden. Auf bewundernswerte Weise gelingt der Autorin der Spagat zwischen dem Mitgefühl für die Mutter des Täters und dem für die Angehörigen der Opfer, für die vor allem die verzweifelte Ishbel Hodgekiss steht. Auf der anderen Seite steht die geifernde Pressemeute, die stellvertretend für den moralisch erhobenen Zeigefinger der Öffentlichkeit steht, die sich längst ein Urteil gebildet hat und nicht an den wahren Hintergründen dieser Tat interessiert ist. Askew versucht die Schwarz-Weiß-Malerei abzumildern und die vielen Graunuancierungen hinter den Geschehnissen hervortreten zu lassen.

Die Bemühungen der Autorin, die Wahrheit hinter einer solchen Wahnsinnstat auszuloten, lassen „Todesschweigen“ zu so viel mehr werden, als einem klassischen Kriminalroman. Ohne Ryans Tat beschönigen oder gar entschuldigen zu wollen, macht Askew deutlich, aus wie vielen unzähligen Puzzleteilen sich am Ende der Ausschlag für einen derartigen Vernichtungsschlag zusammensetzt. „Todesschweigen“ ist ein Buch, das an die Nieren geht, hoch spannend und in vielerlei Hinsicht zutiefst tragisch – ein Kriminalroman, der eindeutig die Genregrenzen sprengt.

Für ihren Debütroman "Todesschweigen" wurde Claire Askew mit dem Lucy Cavendish Prize ausgezeichnet.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen