Du findest sie nicht

Autor: Kristen Lepionka
Genre: Krimi
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-48764-6
Erscheinungsdatum (D) 16.07.18 Erschienen 2017
Seiten 496
Übersetzung Verena Kilchling

Du findest sie nicht The last Place you look / 01

Inhalt

Brad Stockton wurde vor fünfzehn Jahre zum Tode verurteilt. Er soll die Eltern seiner damaligen Freundin Sarah getötet haben – von Sarah fehlt seither jede Spur. Als Brads Urteil kurz vor der Vollstreckung steht, kreuzt plötzlich seine Schwester Danielle bei der jungen Privatermittlerin Roxane Weary auf. Sie behauptet, Sarah vor kurzem gesehen zu haben, was dem Fall natürlich eine völlig neue Wendung geben würde. Obwohl Roxane die ganze Sache für ziemlich aussichtslos hält, nimmt sie den Fall an, ist es doch um ihre finanzielle Situation gerade nicht sonderlich rosig bestellt. Doch von Anfang an gestalten sich die Ermittlungen als eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen, sind Danielles Angaben doch mehr als vage. Mehr als die Tatsache, dass Brads Schwester im Dämmerlicht eine junge blonde Frau gesehen hat, die Ähnlichkeit mit der vermissten Sarah haben könnte, dient ihr nicht als Grundlage für ihre Recherchen.

Doch auffälligerweise scheint die örtliche Polizei äußerst nervös zu werden, jedes Mal wenn Roxane irgendwo auftaucht, und ihr Verdacht, jemand könne daran interessiert sein, die Wahrheit zu vertuschen, wird immer konkreter. Bald schon sieht sie sich regelrechten Repressalien vonseiten der Polizei ausgesetzt, und als sie auf weitere hübsche blonde Mädchen stößt, die spurlos verschwanden, will ihr keiner glauben. Doch mittlerweile hat Roxane sich regelrecht in diesen scheinbar aussichtslosen Fall verbissen – und gefährdet damit nicht nur ihr eigenes Leben…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Schnell wird klar, dass man mit „Du findest sie nicht“ einen Detektivroman in Händen hält, der sich an den Klassikern des Genres zu orientieren versucht. Doch leider gelingt es Kristen Lepionka nur bedingt, diesem fast schon vom Aussterben bedrohten Genre auf überzeugende Art neues Leben einzuhauchen. Zu verkrampft wirken die Versuche der Autorin, den Detektivroman in unsere heutige Zeit zu transportieren, was sich vor allem in der Hauptfigur, der leicht abgewrackten Roxane Weary zeigt. Sie wirkt wie das weibliche Pedant zu den großen Detektivfiguren des vergangenen Jahrhunderts, was manchmal einfach des Guten zuviel ist. Wir bekommen es hier mit einer sich ständig betrinkenden, wahllos Sex habenden und derart toughen Frau zu tun, die wie ein einziges wandelndes Klischee wirkt. Es gelingt Lepionka nicht, diese Figur authentisch wirken zu lassen, oder ihr gar echte Tiefe zu verleihen, was dem an und für sich spannenden Plot viel von seiner Glaubwürdigkeit raubt.

Auch wenn die Idee zu „Du findest sie nicht“ zugegebenermaßen wirklich gut ist und Kristen Lepionka mit der einen oder anderen äußerst fesselnden Wendung zu punkten versteht, zieht sich die Handlung doch stellenweise etwas arg zäh dahin. Der charmante Esprit, den man von den klassischen Detektivromanen kennt, fehlt dieser Geschichte leider gänzlich, und auch wenn die toughe Roxane Weary durchaus Potential erkennen lässt, möchte man dieser Figur doch nicht bedingungslos folgen. So bleibt am Ende der Eindruck eines eher durchschnittlichen Kriminalromans, der einige Chancen ungenutzt verstreichen ließ.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen