Was Alice wusste

Autor: T.A. Cotterell
Genre: Thriller
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-20557-8
Erscheinungsdatum (D) 16.07.18 Erschienen 2016
Seiten 320
Übersetzung Karin Dufner

Was Alice wusste What Alice Knew

Inhalt

Bei ihrem Mann Ed, einem angesehenen Arzt, fühlt sich die erfolgreiche Malerin Alice Sheahan durch und durch geborgen. Seine Integrität und absolute Verlässlichkeit sind es, die die etwas chaotische und verträumte Künstlerin immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Umso verstörender ist es für Alice, als Ed eines Nachts nicht nach Hause kommt, sich weder bei ihr meldet noch telefonisch zu erreichen ist. Als ihr Mann nach dieser scheinbar durchzechten Nacht in den Verdacht gerät, eine junge Frau, ebenfalls Künstlerin, ermordet zu haben, gerät Alice’ bisher so perfekte Welt aus den Fugen. Denn als sie in Eds Jacketttasche ein blaues Seidenhalsband entdeckt und ihn damit konfrontiert, lässt die Geschichte, die er ihr erzählt, alles ins Wanken geraten, an das sie bisher geglaubt hatte.

Immer tiefer verstrickt sich die zweifache Mutter in einem Netz aus Lügen und Halbwahrheiten, welches sie allmählich den Bezug zur Realität und vor allem zu sich selbst verlieren lässt. Die völlig zufällig erscheinende Begegnung mit ihrer alten Freundin Marnie, mit der sie seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr hatte, erweist sich als ein perfide eingefädeltes Spiel, entlarvt die doch Eds Version der Mordnacht als eine Lüge. Alice sieht sich gezwungen, zu handeln – und bringt damit alles in Gefahr, an das sie bisher so felsenfest glaubte…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Auch wenn alles an „Was Alice wusste“ zunächst auf einen Psychothriller hindeutet, entpuppt sich die Geschichte, die T. A. Cotterell zu erzählen hat, innerhalb kürzester Zeit als das Psychogramm einer Ehe, in der sich alles auf die Frage konzentriert, wie mit Schuld und Sühne umgegangen werden sollte. Cotterell konzentriert sich dabei weniger auf die Person, die Schuld auf sich geladen hat, sondern in erster Linie auf die, die davon weiß und nun gezwungen ist, die richtige Entscheidung zu treffen. Geschickt spielt der Autor dabei mit der Frage, worin denn nun die richtige Entscheidung liegen würde und führt sowohl moralische als auch juristische Komponenten ins Feld. Doch genau dieses Sinnieren über das Für und Wider, über Richtig oder Falsch ist es, was dieser an und für sich tiefgründigen Geschichte etwas von ihrer Kraft und Intensität raubt. Irgendwann ist man es ganz einfach leid, immer und immer wieder in das ewig gleiche Gedankenkarussell der Protagonistin gezogen und unfreiwillig an ihren Zweifeln und Ängsten beteiligt zu werden.

„Was Alice wusste“ erzählt eine in ihrer Grundidee spannende Geschichte, der es aber leider nicht gelingen will, ihre Leser wirklich voll und ganz zu fesseln und für sich einzunehmen. Hinzu kommt, dass die Figuren, bis auf die weibliche Hauptfigur, kaum über spannende Facetten oder psychologischen Tiefgang verfügen. Alles in allem hat der Autor bedauerlicherweise zu wenig aus dem an und für sich faszinierenden Grundthema herausgeholt, und auch wenn das Ende noch für eine unerwartete Wendung gut ist, fühlt man sich angesichts dieses Ausgangs merkwürdig unbefriedigt und fast ein bisschen gelangweilt.

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