Lügen. Nichts als Lügen

Autor: Helen Callaghan
Genre: Thriller
Verlag: Knaur.
ISBN: 978-3-426-22671-1
Erscheinungsdatum (D) 01.10.18 Erschienen 2018
Seiten 438
Übersetzung Heike Reissig, Stefanie Schäfer

Lügen. Nichts als Lügen Everything is Lies

Inhalt

Schon lange versucht Sophia, sich in London ein eigenes Leben aufzubauen und Abstand von ihrer Mutter Nina zu gewinnen. Als die ausgerechnet dann anruft, als Sophia mitten in einem heißen Flirt steckt, würgt sie ihre Mutter ziemlich abrupt ab. Erst hinterher bekommt sie ein schlechtes Gewissen, denn Nina hörte sich fast panisch an. Auch wenn das schon etliche Male zuvor der Fall gewesen war und sich stets als grundlos herausstellte, fährt Sophia doch am nächsten Tag zu ihren Eltern nach Suffolk. In deren romantischer Gärtnerei, in der die beiden auch ein Café betreiben, findet Sophia allerdings eine fast schon unheimliche Stille vor, die sie das schlimmste ahnen lässt. Tatsächlich wird sie mit einem entsetzlichen und grausamen Szenario konfrontiert: Ihre Mutter hängt tot in einem Baum, während ihr Vater mit tödlichen Stichverletzungen darunter im Gras liegt.

Die herzu gerufene Polizei vermutet Mord mit anschießendem Selbstmord – ein Gedanke, der für Sophia unvorstellbar ist. Eine solche Tat hätte ihre stille Mutter ihrer Meinung nach niemals verübt. Als sich allerdings ein Verleger bei ihr meldet, der angeblich ein Buch ihrer Mutter veröffentlichen möchte, kommt Sophia ins Nachdenken. In der Werkstatt ihres Vaters findet sie schließlich – gut versteckt – zwei eng beschriebene Notizbücher ihrer Mutter. Was sie darin zu lesen bekommt, entpuppt sich als die schriftliche Beichte eines Lebens, das alles, an das sie bisher geglaubt hat, unwiderruflich in Frage stellt…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

In ihrem zweiten Thriller „Lügen. Nichts als Lügen“ entwirft Helen Callaghan ein düsteres Szenario, das von der ersten Zeile an von einer unheilschwangeren Atmosphäre durchdrungen ist. Ganz offensichtlich gibt es im Leben jedes einzelnen der Protagonisten etwas zu verbergen, lauern dunkle Schatten hinter der scheinbar so ordentlichen und perfekten Fassade, die keinesfalls ans Tageslicht gelangen sollen. Es gelingt Callaghan ausnehmend gut, die Halbwahrheiten, dunklen Abgründe und ganz offensichtlichen Lebenslügen so geschickt zu platzieren, dass sich für den Leser immer neue Fragen auftun und die Spannung damit Stück für Stück steigt. Der unglaublich dichte Plot, den die Autorin gekonnt entwickelt, verbindet sich zunehmend und unaufhaltsam mit dem Inhalt von Ninas Notizbüchern, der sich mehr und mehr als Dreh- und Angelpunkt von Sophias Leben erweist.

Auch wenn Ninas Schilderungen aus der Vergangenheit die Spannungsschraube nicht eben anziehen und hin und wieder fast etwas langatmig geraten sind, erweist sich die Handlung doch zunehmend als ein stimmiges Ganzes. Die vielen ratlosen Fragen, die Sophies ganzes Leben geprägt haben, werden hier nach und nach und auf kluge Art und Weise beantwortet. Vor allem mit der Zeichnung ihrer Charaktere hat Helen Callaghan alles richtig gemacht, sind hier doch Figuren entstanden, die mit ihrem Facettenreichtum und großer Authentizität zu überzeugen wissen. „Lügen. Nichts als Lügen“ ist ein hochspannender Psychothriller, der auf überzeugende Weise deutlich macht, wie sehr ein Gespinst aus Lügen und Halbwahrheiten mehr als nur ein Leben zerstören kann.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen