Das Licht zwischen den Zeiten

Autor: Sophia von Dahlwitz
Genre: Roman
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-28191-8
Erscheinungsdatum (D) 03.09.18 Seiten 448

Das Licht zwischen den Zeiten

Inhalt

Westpreußen im Jahr 1918. Der Erste Weltkrieg ist zu Ende gegangen, und das Deutsche Reich wird von politischen Kämpfen gebeutelt, die immer unkontrollierbare Ausmaße annehmen. Auf Gut Frommberg, dem Stammsitz der Familie von Dahlwitz hingegen, scheint das geregelte und idyllische Leben, ungeachtet der politischen Kämpfe ringsherum, einfach so weiterzugehen. Donata und Heinrich von Dahlwitz halten die Zügel scheinbar sicher in ihren Händen – bis die dreizehnjährige Tochter Rudela ein bisher sorgsam gehütetes Geheimnis ausplaudert: Ihre ältere Schwester hat sich in den Adoptivsohn der Familie, Georg, verliebt. Ein Skandal, den Donata so keinesfalls zu dulden gedenkt; doch Helen und Georg sind nicht gewillt, ihre Liaison zu beenden, sondern planen vielmehr eine baldige Hochzeit.

Rudela bringt mit diesem skandalösen Geständnis einen ersten Stein ins Rollen, der den allmählichen Verfall der Familie von Dahlwitz ankündigt. Nachdem Georg von der Spanischen Grippe genesen ist, die er sich in den letzten Kriegstagen an der Front eingefangen hatte, wendet sich Helen von ihm ab. Daraufhin verlässt er die Familie und schließt sich im von politischen Kämpfen brodelnden Berlin einer Gruppe von Linksaktivisten an. Helen hingegen sucht in den Bohemien-Kreisen ihrer Tante in München Zerstreuung und Ablenkung. Ihre Schwester Rudela verlobt sich mit ihrem Cousin Justus von Dahlwitz, der sich in seiner Verzweiflung über den verlorenen Krieg den Nationalsozialisten anschließt und bald schon zum Gefolge Adolf Hitlers zählt…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Unter dem Pseudonym Sophia von Dahlwitz erzählt die Autorin in „Das Licht zwischen den Zeiten“ die Geschichte ihrer eigenen Familie, die in den Zwanzigerjahren das Ende des Ersten Weltkriegs und die wachsenden politischen Unruhen im Deutschen Reich erlebte. Es ist die Geschichte einer Adelsfamilie in Westpreußen, die von fürchterlichen Kriegszeiten, den Greueltaten voriger Generationen und vor allem von der Sehnsucht nach einer nie gekannten, verlorenen Heimat erzählt. Auf schlüssige Weise fügt von Dahlwitz die Ereignisse jener Zeit für den Leser gut nachvollziehbar zusammen und macht deutlich, wie es nach dem verlorenen Krieg und den darauf folgenden politischen Kämpfen und Querelen fast schon unweigerlich zu einer Machtübernahme durch die Nationalsozialisten kommen musste. Sie beleuchtet damit ein Kapitel der deutschen Geschichte, das bisher in der Literatur noch eher ein Stiefkind war und füllt eine Lücke, die für manchen Leser zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg geklafft haben dürfte.

Einziger Wermutstropfen dieser ansonsten meisterhaft und fesselnd erzählten Geschichte sind die Sequenzen, in denen die Ich-Erzählerin zu Wort kommt, unterbrechen sie doch ein ums andere Mal den ansonsten stringenten Erzählfluss dieses Romans. Auch wenn sich am Ende erklärt, welchen Sinn diese Unterbrechungen haben, fühlt man sich doch auf störende Weise aus der packenden Geschichte herausgerissen. Nichtsdestotrotz kann man sich dem faszinierenden Bann von „Das Licht zwischen den Zeiten“ einfach nicht entziehen, erzählt die Autorin doch in äußerst lebendiger und auch humorvoller Weise vom Verfall einer Adelsfamilie und lässt in jeder Zeile spüren, wie eng sie selbst mit dem Schicksal der Familie von Dahlwitz verbunden ist. Auf äußerst vielschichtige und psychologisch tiefgehende Weise gewährt die Autorin ihren Lesern Einblick in eine Familiengeschichte, die exemplarisch für viele andere stehen dürfte.


Unter ihrem Klarnamen hat die Autorin bereits acht Romane veröffentlicht, von denen vier verfilmt wurden.
„Das Licht zwischen den Zeiten“ basiert auf ihrer eigenen Familiengeschichte. Justus von Dahlwitz war ihr Großvater, und da seine Vita mehrsprachig im Internet kursiert, baten die Eltern der Autorin um ein Pseudonym. Justus von Dahlwitz war Leutnant des Deutschen Heeres, Freikorps-Kämpfer, Teilnehmer des Hitlerputsches, Träger des Blutordens und später Generalmajor der Wehrmacht.

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