Vergiss kein einziges Wort

Autor: Dörthe Binkert
Genre: Roman
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28964-1
Erscheinungsdatum (D) 21.09.18 Seiten 671

Vergiss kein einziges Wort

Inhalt

Luise Strebels Geburtsjahr ist auch gleichzeitig das Jahr der schlesischen Teilung. Das jüngste der Strebel-Kinder wird 1921 in der Gleiwitzer Paulstraße geboren. Fünf Geschwister hat Luise, und ihre Mutter Martha kümmert sich umsichtig um die Geschicke der Familie, nicht ahnend, was die Teilung Schlesiens für sie alle bedeuten wird. Luischen, wie sie liebevoll genannt wird, teilt alles mit ihrer besten Freundin Magda Kuznik, deren Mutter Anna einen Gemischtwarenladen betreibt. Als Luise mit siebzehn schwanger wird – und dazu noch von einem Polen – wird sie von Vater Carl aus dem Haus geworfen. Ihre ältere Schwester Hedwig sorgt dafür, dass sie mit ihrem kleinen Töchterchen Traudel bei der Krankenschwester Maria Fabisch unterkommt – Traudels Vater ist für sie in den Wirren des beginnenden Kriegs unauffindbar.

Der Krieg mit seinen Entbehrungen, dem Verlust geliebter Menschen und dem tagtäglichen Schrecken setzt den Frauen bitter zu, doch sie halten zusammen und verstehen es, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Magda führt den Gemischtwarenladen ihrer Mutter weiter, als Gleiwitz polnisch wird und bleibt, als rings um sie herum alle aufbrechen und ins Reich fliehen. Denn egal was geschieht, das Schicksal dieser so unterschiedlichen Frauen bleibt auf verbogenen Wegen immer miteinander verbunden…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

„Vergiss kein einziges Wort“ ist einer jener Romane, die den Leser mit leichter Hand in eine völlig andere Zeit versetzen und ihm das Gefühl geben, mitten hinein katapultiert zu werden in ein anderes und völlig fremdes Leben. Von der ersten Seite an gelingt es Dörthe Binkert, die Figuren ihrer Geschichte so lebensecht und authentisch vor dem inneren Auge des Lesers erstehen zu lassen, dass man beinahe glaubt, mit ihnen am Tisch zu sitzen und in ihre Unterhaltung involviert zu sein. Binkert erzählt die Geschichte unserer Vorfahren, all jener Menschen, die einst Schlesien bevölkert haben und aufgrund der schlesischen Teilung gezwungen waren, ihre geliebte Heimat zu verlassen. Darüber hinaus zeigt sie aber auch auf, wie es all jenen ergangen ist, die entschlossen waren zu bleiben und ihr Leben in einem neuen Land und mit einer fremden Sprache weiterzuleben. Auf eindringliche Weise macht die Autorin dabei deutlich, wie der Erste Weltkrieg und dessen Ausgang für Deutschland maßgeblich für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verantwortlich waren.

Geschickt verwebt Binkert in „Vergiss kein einziges Wort“ die Schicksale und Lebensgeschichten ihrer Protagonisten miteinander und entwirft dabei das Panorama einer Zeit und einer ganz besonderen Region, die heute immer noch für so viele verloren ist. Glück, Tod, Trauer, Katastrophen und Verlust liegen in diesem Roman ganz dicht beieinander, und in jeder Zeile macht die Autorin die große Bedeutung von Heimat deutlich. Hier erlebt man den ganz normalen Alltag von Durchschnittsmenschen, die zusehends aus der Normalität herauskatapultiert werden hinein in den täglichen Überlebenskampf der Kriegsjahre. „Vergiss kein einziges Wort“ ist ein zutiefst berührender Roman, der von unserer eigenen Geschichte erzählt, ein mitreißendes und durch und durch menschliches Epos, das uns unsere Vergangenheit und die unserer Vorfahren widerspiegelt.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen