Roter Rabe

Autor: Frank Goldammer
Genre: Krimi
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3-423-26209-5
Erscheinungsdatum (D) 21.12.18 Seiten 381

Roter Rabe

Inhalt

Im Sommer 1951 darf Oberkommissar Max Heller zusammen mit seiner Frau Karin und der kleinen Anni einige unbeschwerte, staatlich genehmigte Tage an der Ostsee verbringen. Zurück in Dresden reist Karin allerdings sofort weiter in den Westen, um Sohn Erwin zu besuchen, der demnächst Vater wird. Die Reiseerlaubnis kam, obwohl sehnlich erwartet, doch sehr überraschend, und Karin ist voller Vorfreude, hat sie Erwin doch seit Kriegsende nicht mehr gesehen. Obwohl Max Heller seiner Frau diese Reise von Herzen gönnt, wird sie ihm doch seinen Alltag erschweren, denn schließlich ist da ja noch die kleine Anni, um die er sich nun, neben seiner Arbeit, kümmern muss. Frau Marquart, die alte Vermieterin, ist mit dieser Aufgabe zusehends überfordert, vergisst sie doch immer öfter Dinge und scheint nicht mehr ganz in der Gegenwart zu leben. Zudem wird Heller von der heimlichen Angst gequält, Karin könne womöglich nicht mehr aus dem Westen zurückkehren.

Neben der Sorge um Anni und Karin bekommt Heller es mit einem äußerst kniffligen Fall zu tun, der immer weitere Kreise zu ziehen scheint. Zwei unter Spionageverdacht stehende Männer, die beide zu den Zeugen Jehovas gehören, sterben in ihren Gefängniszellen. Hellers Anfangsverdacht, es könne sich um Selbstmord handeln, steht auf immer wackligeren Beinen, kommt es doch in der Folge zu weiteren ungeklärten Todesfällen – und sämtliche Opfer gehören den Zeugen Jehovas an. In Max beginnt ein schrecklicher Verdacht zu reifen, denn der Kalte Krieg und der drohende Abwurf einer Atombombe schweben wie ein Schreckgespenst auch über Dresden…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Frank Goldammer hat mit seinem Oberkommissar Max Heller einen zutiefst integren und durch und durch ehrlichen Protagonisten erschaffen, dessen Auseinandersetzung mit seinem eigenen Gewissen stets Dreh- und Angelpunkt seiner Fälle ist. Auch in „Roter Rabe“ lässt Goldammer seine Leser wieder an Max’ widersprüchlichen Gedanken teilhaben und zeigt auf, wie sehr dessen Weigerung, in die Partei einzutreten, sein tägliches Leben, sowohl im Privaten als auch im Beruflichen behindert. Dennoch erscheint Heller in diesem neuen Fall weniger plastisch und menschlich, als in den vorhergehenden Bänden. Das mag möglicherweise mit dem fehlenden Dialog mit seiner Frau Karin zusammenhängen, die ansonsten stets ein Spiegelbild von Max’ Gefühlen und Gedanken darstellt. Diesmal ist Heller ganz auf sich allein gestellt, trägt seine Sorgen und Ängste komplett mit sich selbst aus und wirkt dadurch womöglich weniger menschlich als früher, wodurch die ganze Geschichte etwas an Tiefe und Kraft verliert.

Der Fall, in dem Max Heller diesmal ermittelt, ist ebenso mysteriös wie verworren. Auch diesmal gelingt es Frank Goldammer wieder vorzüglich, die geschichtlichen Besonderheiten jener Zeit auf authentische Weise mit den Mordermittlungen in Verbindung zu bringen. Die Angst der Menschen vor einem erneuten Krieg, die diplomatischen Verstrickungen des Kalten Kriegs und das allgegenwärtige Schreckgespenst der Atombombe ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und verleihen ihr damit den besonderen Hauch jener Tage. Auch wenn Heller diesmal etwas blasser und eindimensionaler wirkt, als man ihn ansonsten kennt, ist er doch der Anker in diesem vielschichtigen Kriminalroman. Man darf gespannt sein, in welch bedeutsamer Zeit man ihm das nächste Mal begegnen wird.

Oberkommissar Max Heller ermittelt in folgenden Fällen:
Der Angstmann
Tausend Teufel
Vergessene Seelen
Roter Rabe

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen