Beale Street Blues

Autor: James Baldwin
Genre: Roman
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28987-0
Erscheinungsdatum (D) 20.07.18 Erschienen 1974
Seiten 224
Übersetzung Miriam Mandelkow

Beale Street Blues If Beale Street Could Talk

Inhalt

Clementine Rivers, von allen nur Tish genannt, lebt mit ihren Eltern und der älteren Schwester in New York. Die junge schwarze Frau arbeitet am Parfümstand eines Kaufhauses und liebt Alonzo Hunt, genannt Fonny, den sie seit ihren Kindheitstagen kennt. Im Harlem der siebziger Jahre wissen Schwarze, was sie in der Welt des weißen Mannes wert sind – nämlich nichts. Doch Tish und Fony wollen sich dieser Weltsicht entgegensetzen und kämpfen trotzig für die gemeinsame Zukunft. Gerade, als sie endlich eine Bleibe für ihr Zusammenleben gefunden haben, wird Fonny der Vergewaltigung einer jungen Puerto Ricanerin beschuldigt und verhaftet. Tish und ihre Familie und auch Fonnys Vater sind sich ganz sicher, dass der junge Mann die Tat nicht begangen hat und kämpfen mit allen Mitteln verzweifelt um seine Freilassung.

Als Tish bemerkt, dass sie schwanger ist und Fonny im Gefängnis davon erzählt, ist den beiden Liebenden klar, dass er unbedingt freikommen muss, ehe das Baby zur Welt kommt. Doch Fonnys Unschuld zu beweisen, ist in dieser von Weißen dominierten Welt eine schier unlösbare Aufgabe…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

„Beale Street Blues“ von 1974 ist James Baldwins vorletzter Roman. Ein Roman, der mit seiner unbändigen Kraft und einer kaum auszuhaltenden Wucht auch heute noch eine schwer zu beschreibende Strahlkraft besitzt. Baldwin führt uns mitten hinein in das pulsierende Harlem der siebziger Jahre, wo die Lebenssituation der schwarzen Bevölkerung mehr als problematisch war. Aus der Perspektive der jungen Tish, die gerade erfahren hat, dass sie schwanger ist, während der Vater ihres ungeborenen Kindes im Gefängnis sitzt, erzählt Baldwin eine so hoffnungslos erscheinende Geschichte, unter deren Oberfläche aber eine elementare und pulsierende Kraft schlummert. Der Ungerechtigkeit und brutalen Willkür, der der junge Fonny ausgeliefert ist, setzt Baldwin die Entschlossenheit und den unaufhaltsamen Willen von Tishs Familie entgegen, diesen jungen Mann aus dem Gefängnis zu holen und seine Unschuld zu beweisen.

Es ist ein Blues-Song, dem sich der Leser während der Lektüre von „Beale Street Blues“ hingibt, ein Song, in dem Baldwin der schwarzen Bevölkerung jener Zeit und deren Leben eine Stimme gibt. Er beschreibt darin die auswegslose Armut und die verzweifelte Suche nach Vergnügen und Vergessen, erzählt aber auch von großem Stolz, Zusammenhalt und dem unverbrüchlichem Glauben an ein besseres Leben. Es ist das durch und durch Menschliche, mit dem uns James Baldwin in „Beale Street Blues“ konfrontiert – und das mit einer sprachlichen Wucht, in der sich Wut und beinahe zärtliche Töne abwechseln und den Leser damit zutiefst berühren. Die Perfidie des Rassismus spricht aus jeder Zeile dieses Romans und wird für den Leser beinahe körperlich spürbar. „Beale Street Blues“ ist ein unglaublich mutiger Roman, in dem sich Tragik und unglaubliche Schönheit miteinander vereinen und am Ende zu einem poetischen Blues-Song zusammenfließen.

„Beale Street Blues“ ist James Baldwins vorletzter Roman und liegt hier in einer Neuübersetzung von Miriam Mandelkow vor.
Barry Jenkins, Regisseur des oscarprämierten Films „Moonlight“, arbeitet an einer Kinoadaption, die am 14. Februar 2019 in die deutschen Kinos kommen soll.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen