Der Gotteswahn

Autor: Richard Dawkins
Genre: Sachbuch
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3-548-37643-1
Erscheinungsdatum (D) 12.08.16 Erschienen 2006
Seiten 592
Übersetzung Sebastian Vogel

Der Gotteswahn The God Delusion

Inhalt

Der Evolutionsbiologe und überzeugte Atheist, Richard Dawkins, schrieb bereits in 2006 dieses Buch, genannt „Der Gotteswahn“, das ab Erscheinungsdatum ein Bestseller war und ist. Das Eingangswort ist von Douglas Adams: „Genügt es nicht zu sehen, dass ein Garten schön ist, ohne dass man auch noch glauben müsste, dass Feen darin wohnen?“. Dieser von Dawkins mit Bedacht gewählte Satz spiegelt wider, was den Leser in dem über 500 Seiten umfassenden Buch erwarten wird.
Dawkins geht dabei systematisch vor, analysiert die Gotteshypothese, nennt Gründe, warum es Gott geben könnte, zerschmettert diese aber sofort wieder mit dem nächsten Kapitel. Er schaut sich die Wurzeln der Religion an, betrachtet das Alte Testament der Bibel, macht sich Gedanken über die frühkindliche Indoktrination und vor allem über die mächtigen Einflüsse der Religionen auf einzelne Menschen und die Menschheit insgesamt. Er wirft Fragen auf, beantwortet sie und analysiert mit scharfem Verstand und enormem Wissen die großen Fragen der Evolution und die Sinnhaftigkeit der Religionen.

Buchkritik von Angelika  Koch

„Leidet ein Mensch unter einer Wahnvorstellung, so nennt man es Geisteskrankheit. Leiden viele Menschen an einer Wahnvorstellung, dann nennt man es Religion.“ (Robert M. Pirsig).
Bei solchen Zitaten am Anfang des Buches, fragt sich der Leser vielleicht, worauf er sich hier einlässt. Deswegen sollte er sich vor der Lektüre die Mühe machen, Herrn Dawkins auf youtube zu suchen und ein paar seiner öffentlichen Diskussionen zu diesem Thema anzusehen und anzuhören. So erfährt man, welch ein ernsthafter, überlegter, analytischer und überaus eloquenter Mann er ist. Jemand, der seine Meinung nicht nur vertritt, sondern sie auch immer und bei jeder Frage mit guten Argumenten belegen kann, muss gehört und ernst genommen werden, denn als Evolutionsbiologe verfügt er über ein Wissen, das der breiten Masse niemals zugänglich ist. Somit aber kann er jedem Angriff – meist aus dem Lager der radikalen Christen – standhalten. Eine Prise Ironie ist auch immer dabei, aber Ironie ist der Humor der Intelligenten. Und er setzt sie wohl dosiert ein.
Wenn man nun also weiß, was für ein Mensch dieser Dawkins ist, dann kann man das Buch „Der Gotteswahn“ lesen und besser verstehen. Das Buch ist so gehaltvoll, wortgewaltig und intensiv, dass man am besten einen Textmarker zur Hand nimmt, um die Passagen herauszuheben, die besonders wichtig sind. Wer dieses Buch liest, muss damit rechnen, dass Dawkins kein gutes Haar an jedweder Religion lässt. Vor dem Hintergrund des derzeitigen Weltgeschehens ist „Der Gotteswahn“ somit aktueller denn je.
Man muss nach Lektüre des Buches definitiv in sich gehen und seine bisherigen Meinungen überdenken. Denn hier trifft man auf Argumente, die so stark und vor allem belegbar sind, dass es unehrlich wäre, darüber hinwegzugehen. Gegenüber all diesen Fakten sehen die Religionen mit ihren niemals belegten Glaubensgrundsätzen und ihrem überheblichen Anspruch, jede sei die einzig richtige, ziemlich blass aus. Ein Satz – ziemlich am Ende des Buches – sei hier zitiert, denn er spiegelt das Gedankengut des Autors treffend wider (Zitat): „Entsprechend lebensbejahend und lebensbekräftigend ist die atheistische Weltanschauung, und gleichzeitig ist sie nicht von Selbsttäuschung, Wunschdenken oder dem weinerlichen Selbstmitleid jener gefärbt, die glauben, das Leben sei ihnen etwas schuldig“.
Dieses Buch zu lesen, fordert uns heraus. Es ist keinesfalls eine leichte Lektüre, aber es wäre wünschenswert, dass jeder sich die Mühe machen würde es zu lesen. Denn – auch wenn es weh tut und anstrengend ist – seine Meinungen, die aus der Erziehung, der Kultur und/oder auferlegten Glaubensgrundsätzen resultieren, zu überdenken und eventuell zu ändern, wäre dem Verhalten erwachsener, autarker und selbstständig denkender Menschen würdig.

Richard Dawkins ist Evolutionsbiologe und hatte von 1995 bis 2008 den Lehrstuhl für Public Understanding of Science an der Universität Oxfort inne.

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