Als die Tage nach Zimt schmeckten

Autor: Donia Bijan
Genre: Roman
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3-548-29039-3
Erscheinungsdatum (D) 06.07.18 Erschienen 2017
Seiten 384
Übersetzung Susanne Goga-Klinkenberg

Als die Tage nach Zimt schmeckten Last Days of Café Leila

Inhalt

Noor lebt seit 30 Jahren in den USA. Eigentlich stammt sie aus Teheran, doch als die Zeiten sich dort änderten und ihr Vater sah, dass die Perspektiven für junge Menschen, insbesondere für junge Frauen, nicht mehr gut waren, schickte er Noor und ihren Bruder in die USA. Diese Trennung hat Noor nie verwunden, doch in den USA hat sie sich ein Leben aufgebaut, das sie auch nicht mehr missen möchte. Sie ist glücklich verheiratet, arbeitet als Krankenschwester und hat eine Tochter, mit der sie sich gut versteht. Eigentlich alles perfekt. Doch von heute auf morgen bricht ebendiese Welt zusammen und ehe Noor überhaupt noch versteht, was passiert, steht die Scheidung ins Haus und ihre Tochter entwickelt sich zu einer Furie, die ihr an allem die Schuld gibt.
Noor verliert den Boden unter den Füßen, sie weiß plötzlich nicht mehr wer sie ist und wohin ihre weitere Lebensreise gehen soll. Kurzerhand entschließt sie sich, nach nunmehr drei Jahrzehnten nach Teheran zurückzukehren, zu ihrem Vater, zum Café Leila, das dieser betreibt und zu all ihren Erinnerungen an glückliche, unbeschwerte Tage. Ihre Tochter nimmt sie mit und nicht zuletzt ihretwegen wird dies eine Reise in die Ungewissheit und in die Zeit der Wahrheit und Neuorientierung …

Buchkritik von Angelika  Koch

Migration – eines der größten Themen unserer Zeit. Menschen fliehen aus unterschiedlichsten Gründen aus ihrem Land, verlassen es gerne oder weniger gerne, suchen neue Perspektiven und Lebensweisen oder versuchen schlichtweg Krieg und Elend zu entgehen. Sie fliehen aus ihrem Land, suchen ein neues Zuhause und nicht selten verlieren sie sich dabei aber selbst. Denn – und das wird in diesem Buch so wunderbar vermittelt – unsere Heimat, die Kultur, in der wir aufgewachsen sind, unsere Kindheitserinnerungen, unser Elternhaus, das ist etwas, das niemand einfach so abstreifen kann. Egal, wie gut Menschen sich in einem anderen Land integrieren, sie werden immer ihre Wurzeln in ihrem Heimatland haben.
Donia Bijan erzählt hier mit viel Gefühl und Einfühlungsvermögen eine solche Geschichte. Wenn auch Noor nicht freiwillig gegangen ist, sie hat sich in ihrem neuen Zuhause eingerichtet und glaubt, sie habe sich komplett eingelebt. Doch die Gefühle, die wieder aufbrechen, die Erinnerungen, die sich unaufhaltsam ihrer bemächtigen, die tiefen Verbundenheiten ihrer Kindheit, all das kommt mit großer Wucht zurück, weil es eigentlich gar nie verschwunden war. Die Autorin schafft es nicht nur, den Leser problemlos in eine fremde Welt mitzunehmen und dabei immer das Menschliche im Vordergrund zu lassen, sie liefert auch eine Ahnung von den Gerüchen und der Geschmacksvielfalt der persischen Küche, was wiederum exemplarisch für die ganze Kultur steht und den Leser mit einer seltsamen Sehnsucht zurücklässt.
Fremdes zu ergründen und zu verstehen, Toleranz zu zeigen für das, was wir nicht kennen, Menschen als Menschen zu sehen und nicht in Nationalitäten einzuordnen, das sind die großen Herausforderungen, die wir heute zu meistern haben. Bücher wie diese tragen dazu bei, dass wir unseren Horizont erweitern und somit ein Stückchen näher rücken an das, was wir menschliche Gemeinschaft nennen.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen