Das Tao der Schweiz: Ein sino-helvetisches Gedankenmosaik

Autor: Harro von Senger
Genre: Sachbuch
Verlag: Neue Zürcher Zeitung NZZ Libro
ISBN: 978-3038102427
Erscheinungsdatum (D) 01.05.17 Seiten 236

Das Tao der Schweiz: Ein sino-helvetisches Gedankenmosaik

Inhalt

Aus einem fernöstlichen Standpunkt heraus öffnet der Sinologe Harro von Senger den Blick auf die Schweiz um festgefahrene, landesübliche Äußerungen über das Land neu zu diskutieren. Mittels des antiken chinesischen Weisheitsbuches -Das Tao de King- (Laotse) gibt er Denkanstöße anhand sorgfältig dokumentierter Fakten. Er arbeitet verblüffende Parallelen zu fernöstlichen Verhaltensweisen heraus und zeichnet ein neues Bild der Schweiz wie sie (die Schweiz) auch denkbar ist.

Buchkritik von Gabriele  Frommholz

Der Leseanleitung zu Beginn des Buches ist zu entnehmen, dass es eine lange Entstehungsgeschichte bis zur Veröffentlichung gibt. Die zahlreichen Fußnoten im Anhang geben Zeugnis
einer außerordentlich akribischen Recherchearbeit. Kenner und Leser der „Strategemebücher“ des Autors wissen diese Arbeit sehr zu schätzen. Die Idee, die Schweiz aus fernöstlicher Sicht neu zu denken ist einzigartig. Die Voraussetzung ist natürlich die Kenntnis des chinesischen Weisheitsbuches – Das „Tao-te-king“. Kenner der 36 Strategeme werden mit Erstaunen feststellen, dass der Lesestoff zum Thema „List“ und fernöstliche Lebensart schier unerschöpflich ist. Harro von Senger zeichnet durch die Brille der fernöstlichen Strategeme ein durchaus kritisches Bild der Schweiz und zeigt seinen Landsleuten schon auch einmal die „rote Karte“. Der Umgang mit der Natur, ebenso das Thema „Bankwesen“, wird kritisch unter die Lupe genommen.„ Licht mit Schattenseiten über der Schweiz“. Ziemlich zu Beginn fällt eine Ansammlung negativer Charakterisierungen der Schweiz in Augenschein. Die Schweiz „gefangen im Hamsterrad“ wird konstatiert. Dagegen erfolgt der Vorschlag, doch einmal „über den Tellerrand“ zu blicken. Eine kluge Bemerkung aus der Sicht des als großer Chinakenner bekannten Autors.
Die mehrsprachige Schweiz; vorab „Schwyzerdütsch“, französisch, italienisch und rätoromanisch; alle Sprachen finden sich im Text, ohne den Lesefluss allzu sehr zu stören. Längere, französische Passagen werden für den Leser prompt übersetzt. Der Schweiz wird oft vorgeworfen, „sie habe keine Identität“. Dies kann wirklich nur ein exzellenter Kenner oder aber ein Schweizer selbst beurteilen. Beides ist Harro von Senger. Positiv erwähnenswert ist, dass das Betreiben von Atomkraftwerken in der so zentral gelegenen, flächenmäßig kleinen Schweiz, kritisch hinterfragt wird. Nicht die einzige Frage, die von Senger in seinem Buch kritisch angeht.

„Das Tao der Schweiz“ ist nicht nur ein gründlich recherchiertes Bild der Schweiz eines heimatverbundenen Schweizers, es eröffnet auch neue Blickwinkel auf das kleine Land im Herzen Europas. Die mehrsprachigen Passagen, die nicht immer übersetzt werden, schränken den Leserkreis allerding ein, was schade ist. Bietet „Das Tao der Schweiz“ doch auch für Nichtschweizer manchen Augenöffner.

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