Die achte Todsünde

Autor: Rebecka Edgren Aldén
Genre: Thriller
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-71678-4
Erscheinungsdatum (D) 11.06.18 Erschienen 2015
Seiten 350
Übersetzung Kerstin Schöps

Die achte Todsünde Den attonde dödssynden/ The Eighth Deadly Sin

Inhalt

Wie durch ein Wunder hat Nora vor acht Jahren einen schweren Sturz aus dem siebten Stockwerk überlebt. An den Vorfall selber kann sie sich kaum erinnern – zum einen, weil sie damals stark alkoholisiert gewesen war, zum anderen, weil sie die Erinnerung an diese Zeit erfolgreich verdrängt hat. Das war ihr altes Leben, die alte Nora, an die sie heute nicht mehr denken möchte. Denn nach ihrer langwierigen Genesung hat für sie ihr neues, erfolgreiches Leben begonnen, und mit der alten, schwachen Nora möchte sie heute nichts mehr zu tun haben. Denn nach dem Unfall beschloss sie, endlich das Leben zu leben, was sie immer schon haben wollte: Sie ist eine erfolgreiche Buchautorin, in sämtlichen sozialen Netzwerken vertreten und hat einen Ehemann und zwei wundervolle Kinder. Mit ihrer Familie lebt sie in einem riesigen Haus in einem Vorort von Stockholm, das einst einem einflussreichen Richter gehörte.

Doch Noras so perfektes, durchgestyltes und organisiertes Leben gerät völlig aus den Fugen, als im Haus gegenüber eine neue Nachbarin einzieht. Noras Kinder wollen plötzlich lieber bei Klara und ihrem Hund sein, als bei ihrer eigenen Mutter, und Noras Ruf als „Königin der Straße“ beginnt merklich zu bröckeln seitdem Klara eingezogen ist. Auch ihr Ehemann Frank verhält sich plötzlich äußerst seltsam, und Nora beschleicht der Verdacht, dass die beiden einander kennen. Je mehr die Idylle bröckelt, desto mehr erinnert Nora sich an Details des Unfalls – und beginnt sich unwillkürlich zu fragen, ob es am Ende gar kein Unfall war…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

In ihrem atmosphärisch dichten Psychothriller „Die achte Todsünde“ wartet Rebecka Edgren Alden mit einer weiblichen Hauptfigur auf, die einem fast von der ersten Seite an furchtbar unsympathisch ist – und schafft es, genau diese Tatsache zur großen Stärke der Geschichte werden zu lassen. Nora, so scheint es, hat aus dem fürchterlichen Unfall, der sie vor acht Jahren ereilte, genau die falschen Lehren für ihr weiteres Leben gezogen. Sie hat sich zur absoluten Vorzeigefrau gemausert, abgenommen und ihr ganzes Sein in das genaue Gegenteil ihres alten Ichs verkehrt. Hätte man diese perfekte, aalglatte und völlig fehlerfreie Frau zur Nachbarin – man könnte einfach nicht anders, als sie abgrundtief zu hassen, und als Leser ahnt man von Anfang an, dass es hier unter der Oberfläche mächtig gärt. Die Autorin lässt es zu einem ganz besonderen Reiz werden, allmählich an dieser scheinbar so perfekten Fassade zu kratzen, Noras wahres Ich ans Tageslicht zu befördern und lässt den Leser voller Wonne Zeuge werden, wie dieses gestylte, sich fast ausschließlich in sozialen Medien stattfindende Leben wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzt.

Es darf allerdings nicht der Eindruck entstehen, man wäre voller Häme auf Noras kompletten Zusammenbruch aus, denn auf der anderen Seite hofft man als Leser auch, sie möge endlich wach werden und erkennen, wo sich das wahre, echte Leben abspielt. Denn die scheinbaren Wahnvorstellungen, die immer mehr Raum in Noras Leben einnehmen, deckt man als Leser sehr bald als ein perfide eingefädeltes Spiel auf, das offenbar darauf angelegt ist, die Ehefrau und Mutter in die geschlossene Abteilung einer Psychiatrie zu befördern. Rebecka Edgren Alden gelingt es, diese komplex angelegte Geschichte in einer endlos erscheinenden Spirale allmählich direkt in Noras Untergang zu führen und den Leser über die Person, die hier tatsächlich die Fäden in der Hand hält, im Unklaren zu lassen. Am Ende kann sie mit einer unfassbaren und völlig unerwarteten Auflösung punkten, die aber im Rückblick genau den Kern dieses fesselnden und genial erdachten Thrillers bildet.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen