Sommernachtstod (2018)

Autor: Anders de la Motte
Genre: Krimi
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-30624-6
Erscheinungsdatum (D) 02.05.18 Erschienen 2016
Seiten 432
Übersetzung Marie-Sophie Kasten

Sommernachtstod (2018) Slutet paa sommaren

Inhalt

Billy Nillson ist vier Jahre alt, als er von einem Moment zum nächsten spurlos verschwindet: Gerade noch jagt der Kleine im Garten seiner Eltern einem Kaninchen hinterher – und dann verliert sich jede Spur. Tagelang, wochenlang sucht die Polizei vergeblich nach dem kleinen Billy, dreht jeden Stein um und verhaftet sogar einen Verdächtigen – doch vergebens. Der Fall wird schließlich zu den Akten gelegt. Billys Familie aber zerbricht an dem schrecklichen Verlust, und auf dem kleinen Dorf in Südschweden liegt seither ein dunkler Fleck des Misstrauens und der Trauer.

Zwanzig Jahre danach wird Billys ältere Schwester Vera auf äußerst beunruhigende Weise zurück in die Vergangenheit katapultiert. Erfolgreich hat Vera, die mittlerweile als Therapeutin arbeitet, jahrelang sämtliche Erinnerungen an Billys Verschwinden und die schreckliche Zeit danach verdrängt, einen anderen Namen angenommen und ihre alte Identität vergessen. Doch dann taucht ein neuer Patient bei ihr auf, der sich Isak nennt und verstörende Details über einen verschwundenen Jungen berichtet, die sie auf erschreckende Weise an Billys Fall erinnern. Vera muss sich mit der beängstigenden Frage beschäftigen, ob Billy womöglich noch am Leben sein könnte. Um Gewissheit zu erlangen, muss sie an den Ort ihrer Kindheit zurückkehren – doch dort stößt sie auf eine Mauer des Schweigens…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Geschichten, die vom Tod oder spurlosen Verschwinden kleiner Kinder erzählen, sind stets aufs äußerste beunruhigend, weil sie im Leser die diffusesten Ängste hervorrufen. Doch Anders de la Motte verleiht seinem Krimi „Sommernachtstod“ eine zusätzliche, verstörende Note, indem er in seiner Protagonistin, die sich längst damit abgefunden hat, dass ihr kleiner Bruder nicht mehr am Leben ist, ganz allmählich das Gefühl wachsen lässt, das alles könne ein Irrtum gewesen sein. Der Blick, den er dabei in Veras Seelenleben gewährt, ist zutiefst beängstigend, erweckt er doch einen Eindruck davon, was Menschen, die ganz plötzlich ein Kind verlieren, tatsächlich durchmachen müssen. Auf überzeugende und beeindruckend authentische Weise zeigt de la Motte auf, zu welchen Wunden und Verdrängungsmechanismen dieses traumatische Erlebnis in Veras Psyche geführt hat und zu welchem Desaster ihr Leben dadurch wurde.

Aus diesen Elementen lässt Anders de la Motte einen äußerst tiefgründigen und facettenreichen Kriminalroman erwachsen, der auf verschlungenen Wegen zurückführt zu jenen Ereignissen vor zwanzig Jahren, als ein kleiner Junge von einem Augenblick zum nächsten spurlos verschwand. Vor allem der mysteriöse Isak gibt hier Rätsel auf, und beinahe sehnt man sich nach der Gewissheit, es möge sich bei ihm tatsächlich um Veras kleinen Bruder handeln. Es gelingt dem Autor, seine Leser geradewegs in die tiefsten und abgründigsten Winkel der menschlichen Psyche zu führen und am Ende mit einer Auflösung aufzuwarten, die alles übertrifft, was man sich vorzustellen gewagt hätte. „Sommernachtstod“ ist ein Kriminalroman allererster Güte!

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