Abels letzter Krieg

Autor: Daan Heerma van Voss
Genre: Roman
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28968-9
Erscheinungsdatum (D) 21.12.18 Erschienen 2016
Seiten 480
Übersetzung Gregor Seferens

Abels letzter Krieg De laatste oorlog

Inhalt

Seit Abel Kaplan und seine Frau Eva getrennt sind, entwickelt sich Abels Leben scheinbar nur noch in die falsche Richtung. Schon seit Jahren möchte er endlich das eine große Buch schreiben, doch irgendwie fehlt ihm die rechte Inspiration. Dann fällt ihm unverhofft das Tagebuch eines ehemaligen Lagerinsassen des KZ Auschwitz in die Hände, und Abel ist sich sicher: Genau das ist der Stoff für seinen neuen Roman. Doch seine Freundin Judith, deren Großvater Verfasser des Tagebuchs ist, lässt er über seine Pläne im Dunkeln, sie ahnt nicht, was Abel mit dem Vermächtnis ihres Großvaters vorhat. Als Abel seinen Job an der Schule verliert, dessen er sowieso längst überdrüssig ist, hat er endlich Zeit, sich mit vollem Elan in die Schreibarbeit zu stürzen.

Doch je mehr Abel sich in das Tagebuch vertieft, desto deutlicher erscheint es ihm als Mahnung, sich auch – oder gerade – in der heutigen Zeit gegen jede Form von Verfolgung aufzulehnen. Fast erscheint ihm die Begegnung mit einem jungen Flüchtling als Zeichen, und er setzt von nun an alles daran, den Jungen vor der Abschiebung zu bewahren…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Mit Abel Kaplan erschuf der niederländische Autor Daan Heerma van Voss einen Protagonisten, der sich als der klassische Anti-Held darstellt und bei dem man permanent zwischen Sympathie und Mitleid hin und her schwankt. Erst durch eine Reihe von Vorkommnissen und nicht zuletzt durch den Inhalt eines Tagebuchs sieht Abel sich schließlich dazu berufen, eine heldenhafte Tat zu begehen – die eine regelrechte Lawine von Ereignissen nach sich zieht. Mit viel Augenzwinkern und großem erzählerischen Können gelingt es van Voss, eine Geschichte zu erzählen, die sich mit der Tragweite menschlichen Handelns im Ausnahmezustand befasst. Auch wenn vieles von dem, was Abel Kaplan im Verlauf der Geschichte tut, nicht immer logisch und manchmal gar fast schon sträflich naiv erscheint, kann man doch nicht umhin, ihn für seinen Mut und sein konsequentes Vorgehen im Angesicht der Verzweiflung, zu bewundern.

Auf mutige Art und Weise zieht van Voss immer wieder Parallelen zwischen der heutigen Flüchtlingsthematik und dem Morden an Juden, Roma und anderen Randgruppen im Dritten Reich. Er scheut auch nicht davor zurück, die Position der Niederlande in jenen finsteren Zeiten zu beleuchten und sich mit der Rolle des Judentums in der Gegenwart auseinanderzusetzen. Auch wenn Abel Kaplan ein Protagonist ist, an dessen Ecken und Kanten man sich hin und wieder stört, dessen Verhalten man nur teilweise billigen kann und der einem auf seltsame Art fremd bleibt, erzählt „Abels letzter Krieg“ doch einen mutige Geschichte, deren Konsequenz man sich nur schwer entziehen kann.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen