Ein einfaches Leben

Autor: Min Jin Lee
Genre: Roman
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28972-6
Erscheinungsdatum (D) 21.09.18 Erschienen 2017
Seiten 551
Übersetzung Susanne Höbel

Ein einfaches Leben Pachinko

Inhalt

Sunja lebt mit ihren Eltern im koreanischen Fischerdorf Yeongdo, sie ist das einzige Kind der beiden. Nach dem Tod des Vaters betreibt Sunja gemeinsam mit ihrer Mutter Yangjin das kleine, aber äußerst gut laufende Logierhaus weiter. Als der erfolgreiche Fischgroßhändler Hansu sich für Sunja interessiert, versucht sie zunächst, seine Avancen zurückzuweisen, wird dann aber doch schwach. Sie glaubt, Hansu würde sie aufrichtig lieben und bald schon heiraten. Doch als Sunja schwanger ist, stellt sich heraus, dass Hansu bereits mit einer Japanerin verheiratet ist, und sich Sunja als seine „ koreanische Frau“ wünscht. Um ihrer Familie keine Schande zu machen, lässt sie sich auf eine Ehe mit dem an Tuberkulose erkrankten Pastor Isak ein, der dem in Not geratenen Mädchen unbedingt helfen möchte. Schweren Herzens verlässt Sunja ihre geliebte Mutter, um mit Isak fernab der Heimat, in Japan, ein neues Leben zu beginnen.

Sunja und Isak kommen bei dessen Bruder Yoseb und seiner Frau Kyunghee unter, die unter äußerst beengten Verhältnissen leben. Koreanische Einwanderer gelten, selbst in zweiter Generation, in Japan als Menschen zweiter Klasse, sie bekommen nur selten Arbeit und müssen sich mit den dürftigsten Unterkünften zufrieden geben. Hier, in dieser feindseligen Umgebung, bringt Sunja ihre beiden Söhne Noa und Mozasu zur Welt. Während Sunja sich mit ihrem Schicksal und den widrigen Lebensumständen zu arrangieren versucht, wollen Noa und Mozasu sich nicht mit ihrem Los als Menschen zweiter Klasse zufrieden geben…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Min Jin Lee erzählt in ihrem Familienepos „Ein einfaches Leben“ die unglaublich kraftvolle und zu Herzen gehende Geschichte einer koreanischen Einwandererfamilie, die in Japan tagtäglich mit Fremdenfeindlichkeit, Hass und Verachtung konfrontiert ist. Sunjas Geschichte und die ihrer Familie entfaltet sich von den Dreißiger- bis zu den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts und nimmt den Leser mit in ein völlig anderes Leben, eine fremde Kultur, die von gänzlich anderen Werten, als den unseren, geprägt ist. Dabei beschäftigt sich die Autorin ganz besonders intensiv mit der Rolle der Frauen, die nach eigener Aussage geboren seien, um zu leiden. Es gelingt Min Jin Lee, vor allem Sunja auf äußerst berührende Weise zu schildern, ihren von Leid und Verzicht geprägten Weg zu zeichnen, ihre Aufopferungsbereitschaft vor allem den beiden Söhnen gegenüber zu zeigen und ihre Bereitschaft, sich selbst dabei immer ganz hinten anzustellen. So fremd diese Hingabe und Verzichtbereitschaft auch erscheinen mögen, so authentisch und echt wirkt diese beeindruckende Protagonistin doch in jeder einzelnen Zeile.

Auf fast schon beiläufige Weise erzählt Min Jin Lee von dem großen Unrecht, das koreanische Einwanderer in ihrem Exil in Japan erlitten haben, von den Demütigungen und Repressalien, denen sie tagtäglich ausgesetzt waren. „Ein einfaches Leben“ ist ein Roman, der völlig zeitlos wirkt, sind der Fremdenhass und die ganz alltägliche Ausgrenzung, die hier beschrieben werden doch auf eindringliche Weise universell und durchaus auch auf die heutige Zeit übertragbar. Gerade weil Sunjas Leben und das ihrer Familie auf so unpathetische Weise geschildert wird, entfaltet dieser Roman eine unglaubliche Wucht, die einen förmlich mit sich reißt. Min Jin Lee erzählt von der großen, nie enden wollenden Suche nach der eigenen Identität, die in der Fremde für viele unerreichbar scheint. Sie erzählt von Liebe, Loyalität, Hass und Verzweiflung und trifft ihre Leser mit leichter Hand mitten ins Herz.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen