Das Haus der Mädchen

Autor: Andreas Winkelmann
Genre: Thriller
Verlag: rororo
ISBN: 978-3-499-27516-6
Erscheinungsdatum (D) 26.06.18 Seiten 397

Das Haus der Mädchen

Inhalt

Als Leni in Hamburg ankommt, fühlt sie sich in der großen, fremden Stadt alles andere als wohl. Sie ist hier, um ein Praktikum bei einem Verlag anzutreten und hat sich über eine Zimmervermittlung in einer feudalen Villa am Kanal eingemietet. Noch am selben Tag lernt sie ihre Zimmernachbarin Vivien kennen, die das genaue Gegenteil von ihr ist: frech, lebenslustig und voller Tatendrang. Die beiden jungen Frauen freunden sich miteinander an und gehen abends gemeinsam auf eine Party, die sie dann allerdings getrennt wieder verlassen. Am nächsten Morgen ist Vivien spurlos verschwunden, und ihr Zimmer wird bereits für neue Gäste hergerichtet. Leni erscheint die Tatsache, dass ihre neue Freundin sich quasi über Nacht davongeschlichen haben soll, ohne sich von ihr zu verabschieden mehr als seltsam – zumal Vivien mit keinem Wort erwähnt hat, Hamburg so schnell wieder verlassen zu wollen.

Leni macht sich auf eine aussichtslos erscheinende Suche, auf der ihr der Obdachlose Freddy Förster begegnet. Freddy war einst ein äußerst erfolgreicher Geschäftsmann, ist aber nach einer Pechsträhne auf der Straße gelandet. Er wird zufällig Zeuge, wie ein Mann am Steuer seines Autos erschossen wird und macht sich auf die Suche nach dem Mörder, um nicht selbst zu dessen nächstem Opfer zu werden. Schnell wird Freddy und Leni klar, dass ihrer beider Suche zum selben Ziel führen könnte – und dass sie in allergrößter Gefahr schweben…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

In seinem Thriller „Das Haus der Mädchen“ konstruiert Andreas Winkelmann einen nervenaufreibenden Plot, der einem wahr gewordenen Albtraum gleicht. Die Vorstellung, eine junge Frau könne während ihres Urlaubs in einer Großstadt einfach verloren gehen, hat schon etwas durchaus Furchteinflößendes. Nur eine andere junge Frau, die nicht glauben will, dass hier alles mit rechten Dingen zugegangen ist, sucht nach dieser Vivien, die nirgendwo Spuren hinterlassen zu haben scheint. Leider gelingt es Winkelmann nicht, diese an und für sich faszinierende Idee stringent bis zum Ende durchzuziehen. Es hakt und ruckelt immer wieder im Lesefluss, was zum großen Teil an den nicht immer authentischen und teilweise gar zu leicht zu durchschauenden Charakteren liegen mag. Die eine oder andere Figur ist dann doch zu klischeehaft geraten, um deren Rolle in diesem Thriller nicht relativ schnell zu durchschauen. Das raubt dieser Geschichte leider ein großes Maß an Spannung, was eine an und für sich überzeugende Grundidee leider nicht ausgleichen kann.

Wie in seinem Thriller „Die Zucht“ gelingt es Andreas Winkelmann auch hier wieder, durch stimmungsvolle und teilweise unheimliche Schauplätze zu überzeugen, die viel zur düsteren Grundstimmung von „Das Haus der Mädchen“ beitragen. Dennoch will es dem Autor einfach nicht gelingen, diese Geschichte zu einem stimmigen Ende bringen und sämtliche losen Fäden auf überzeugende Weise zusammenzuführen. Leider verliert diese klug konstruierte Geschichte nach und nach an Authentizität und Glaubwürdigkeit.

Wir haben "Das Haus der Mädchen" bereits gelesen, dürfen die Kritik aber erst am 26. Juni 2018 veröffentlichen.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen