Der Schatten des Bösen

Autor: Sharon Bolton
Genre: Thriller
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-48873-5
Erscheinungsdatum (D) 15.04.19 Erschienen 2018
Seiten 557
Übersetzung Marie-Luise Bezzenberger

Der Schatten des Bösen The Craftsman

Inhalt

Dreißig Jahre ist es her, dass Florence Lovelady den Sargtischler Larry Glassbrook des Mordes an mehreren Jugendlichen überführte. In der Kleinstadt Sabden, am Fuße des berühmten Pendle Hill gelegen, der im Mittelalter Schauplatz grausamer Hexenverbrennungen war, löste Florence im Jahr 1969 den ersten aufsehenerregenden Fall ihrer Karriere. Damals wurden dort drei Jugendliche vermisst, die mithilfe von Florence’ unerschütterlichem Engagement schließlich in Särgen aufgefunden wurden – die Mordopfer waren lebendig begraben worden. Entgegen vielfältiger Widerstände ihrer männlichen Kollegen gelang es Florence damals, Larry Glassbrook aufgrund zahlreicher Indizien dieser grausamen Taten zu überführen und ihn lebenslang hinter Gitter zu bringen.

Nun kehrt Florence, zusammen mit ihrem fünfzehnjährigen Sohn Ben, anlässlich der Beerdingung des ehemaligen Sargtischlers nach Sabden zurück. Dreißig Jahre nach seinen furchtbaren Verbrechen ist Glassbrook schließlich hinter Gittern gestorben. Doch er ist noch nicht einmal richtig unter der Erde, als sich die Hinweise darauf verdichten, dass das Böse von einst nicht zusammen mit Larry Glassbrook beerdigt wurde. Nach einem Hinweis, der direkt an sie gerichtet ist, ahnt Florence, dass die Geschichte von einst noch nicht zu Ende ist. Während sie noch nach Erklärungen und Zeichen sucht, verschwindet ihr Sohn Ben spurlos aus seinem Hotelzimmer…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Mit „Der Schatten des Bösen“ beweist die britische Autorin Sharon Bolton einmal mehr, dass sie mit Fug und Recht mit dem Dagger in the Library für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet wurde. Von der ersten Seite an gelingt es ihr, eine morbide und sämtlichen Raum einnehmende Spannung zu erzeugen, die beim Leser jede Menge Gänsehaut erzeugt und ihn voll wohligem Grusel in dieser finsteren und atmosphärisch dichten Geschichte verschwinden lässt. Bolton macht einfach alles richtig, sie versteht es, atmosphärische, von dunklen Mythen und Geheimnissen bevölkerte Schauplätze vor dem inneren Auge des Lesers entstehen zu lassen und authentische und charismatische Charaktere zu erschaffen. Mit ihrer weiblichen Protagonistin Florence Lovelady zeigt sie zudem auf, mit welchen Repressalien und Widerständen weibliche Polizisten noch in den späten 1960er Jahren zu kämpfen hatten. Vor allem verfügt sie aber über die Gabe, den Leser fast schon beiläufig in eine Geschichte zu entführen, die derart facettenreich und spannungsgeladen ist, dass man am liebsten darin versinken und niemals wieder auftauchen würde.

Der Plot von „Der Schatten des Bösen“ hebt sich schon zu Beginn von allem ab, was man bisher in diesem Genre gelesen hat und nimmt im Verlauf der Handlung immer mysteriösere Ausmaße an. Dabei sind es vor allem die an den Nerven zerrenden Augenblicke, die sich im geschlossenen, von Tonnen von Erde bedeckten Sarg abspielen, die einem buchstäblich den Atem rauben und nach Luft schnappen lassen. Diese Szenen schildert Bolton voller Nonchalance und derart gekonnt, dass man nicht anders kann, als sich vor einem solchen Können zu verneigen. Die Autorin beherrscht die Kunst, das wahrhaft Schreckliche erst im Kopf des Lesers entstehen zu lassen, die tiefschwarzen Abgründe der menschlichen Seele nur zu streifen und sie dadurch im Leser ganz allmählich aufkeimen zu lassen. „Der Schatten des Bösen“ ist ein einzigartiger und meisterhaft erzählter Thriller, den Genrefreunde keinesfalls verpassen sollten.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen