Totenliste

Autor: Harald Gilbers
Genre: Krimi
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426521823
Erscheinungsdatum (D) 03.09.18 Seiten 544

Totenliste

Inhalt

Winter 1946/47 in Berlin, der Winter, der später als „Hungerwinter“ in die Geschichte eingehen wird. Die Menschen sind schlicht und ergreifend nur noch damit beschäftigt, irgendwie zu überleben. Die Kälte ist unerträglich, alles, was an Holz zu finden ist, wird verfeuert, Essen gibt es kaum. Die Alliierten teilen sich die Stadt, und von der anfänglichen Freude darüber, endlich befreit worden zu sein, ist nicht mehr viel übrig.
Oppenheimer und seine Freunde harren in Hildes Villa aus, rücken im Keller eng zusammen und versuchen, aus allem irgendwie das Beste zu machen. Bis ein alter Bekannter – Oberst Aksakow – Oppenheimer bittet, in einem Mordfall zu ermitteln und jemanden damit zu entlasten, der als Verdächtigter gilt.
Als ehemaliger Kriminalkommissar hat Oppenheimer genug Spürsinn, Fälle wie diesen zu lösen, und selbst in der Kriegszeit wurde er schon mit solchen Ermittlungen beauftragt, einmal sogar von Göbbels höchstpersönlich, obwohl Oppenheimer Jude ist.
Die verunstaltete Leiche des „Volksdeutschen“ macht ihm jedoch Kopfzerbrechen, und bald schon lassen andere brutale Morde nicht mehr auf sich warten. Oppenheimer muss erneut all seine Kenntnisse und seine hervorragende Intuition einsetzen, um dem Täter auf die Spur zu kommen.

Buchkritik von Angelika  Koch

Dies ist der vierte Band um Kommissar Oppenheimer. Der Leser konnte ihn schon seit Kriegsmitte begleiten und seine vielschichtigen Ermittlungen miterleben. Bücher von Harald Gilbers sind ebenso vielschichtig. Zum einen sind sie allesamt spannende, gut erzählte und gut konstruierte Kriminalromane, die alle Erwartungen, die man an dieses Genre hat, erfüllen, und zum anderen ist jedes Buch Geschichtsunterricht vom Feinsten. Es geht bei Gilbers sicherlich auch immer um den Gesamtzusammenhang, auch die „große“ Geschichte findet ihre Beachtung. Was aber viel interessanter ist, sind die vielen Details, die der Autor in seine Geschichten einfließen lässt. Man könnte fast glauben, Gilbers wäre selbst dabei gewesen. Welch mühsame Recherchearbeit das gefordert haben muss, kann der Leser nur ahnen. Das macht aber auch das aus, was einen an diesen Büchern so fasziniert: Es ist alles so echt, so detailgetreu, so authentisch, dass man sich wirklich so fühlt, als wäre man dabei. Und das wiederum führt dem Leser vor Augen, was für eine fürchterliche, grausame und menschenverachtende Zeit das war. Und dennoch, speziell in „Totenliste“ gibt es immer wieder einen Hoffnungsschimmer, immer wieder Menschliches, Fröhliches und Positives. Auch, wenn es in dieser Zeit nicht viel ist, es ist dennoch existent.
Bei „Totenliste“ zieht Gilbers wieder sämtliche Register. Ein gelungener Kriminalroman mit spannenden Figuren, authentischen Erzählungen, kriminalistischem Spürsinn und einem unerwarteten Finale. Hoffentlich lässt der Autor Oppenheimer weitermachen. Gerade die Entwicklung, die jetzt in Berlin beginnt, wäre ein spannender Hintergrund.

In folgenden Büchern ermittelt Oppenheimer:

Germania
Odins Söhne
Endzeit (2017)
Totenliste

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen