Vergessene Seelen

Autor: Frank Goldammer
Genre: Krimi
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3-423-26201-9
Erscheinungsdatum (D) 22.06.18 Seiten 382

Vergessene Seelen

Inhalt

Drei Jahre nach Kriegsende erlebt Dresden einen heißen Sommer, der die Währungsreform einläutet, die das besetzte und geteilte Deutschland in eine tiefe Krise zu stürzen droht. Während die Angst der Bevölkerung, es könne zu einem weiteren Krieg kommen, stetig steigt, wird Kriminaloberkommissar Max Heller zu einer der vielen Baustellen gerufen, die von den mühevollen Wiederaufbauarbeiten der Dresdner Bevölkerung zeugt. In einer Baugrube wurde ein toter Junge gefunden, und es ist an Max Heller herauszufinden, wie und vor allem warum der Vierzehnjährige sterben musste. Doch bei seinen Ermittlungen stößt er sowohl bei dessen Familie, als auch bei Schulkameraden und Lehrern auf eine regelrechte Mauer des Schweigens. Fast scheint es, als würde der Tod des Jungen nicht einmal dessen Eltern wirklich treffen, doch ganz offensichtlich ist, dass seine Mutter und auch die Geschwister von jemandem verprügelt werden. Ist der Vater des Toten womöglich der Täter? Und was haben er und seine Frau zu verbergen?

Während Max Heller fieberhaft in diesem rätselhaften Fall ermittelt, plagen seine Frau Karin, die als Trümmerfrau arbeitet, ganz andere Sorgen. Der gemeinsame Sohn Erwin lebt seit Kriegsende im Westen, und Karin und Max müssen sich die bange Frage stellen, ob sie ihn überhaupt jemals wieder sehen werden. Zugleich müssen sie sich auf die Trennung von Pflegekind Anni vorbereiten, dessen Eltern offenbar aufgetaucht sind. Als ob das alles noch nicht genug wäre, gehen Max noch ganz andere Dinge im Kopf herum, denn dieser Fall bringt eine Saite in ihm zum Klingen, die ihn direkt in seinen ganz persönlichen Albtraum hineinkatapultiert…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Während Frank Goldammers Krimis „Der Angstmann“ und „Tausend Teufel“ in den letzten beiden Kriegsjahren beziehungsweise den ersten Nachkriegsjahren angesiedelt waren, führt er uns mit „Vergessene Seelen“ nun mitten hinein in die Zeit der Währungsreform und der drohenden endgültigen Teilung Deutschlands. Auch hier versorgt Goldammer seine Leser wieder mit jeder Menge Hintergrundwissen über die Geschehnisse jener Jahre, in denen Familien auseinander gerissen wurden, das Geld seinen Wert verlor und die Menschen in der sowjetisch besetzten Zone tagtäglich auf der verzweifelten Suche nach Nahrungsmitteln waren. Auf eindringliche Weise transportiert der Autor den Geist jener Zeit zum Leser und verwebt ihn mit einem Kriminalfall, der Kriminaloberkommissar Max Heller, der sich nach wie vor nicht dazu durchringen kann, in die Partei einzutreten, an seine persönlichen Grenzen bringt. Die menschliche Komponente hält Frank Goldammer dabei sicher in der Hand, er zeigt auf authentische Art, mit welchen Dämonen seine Protagonisten zu kämpfen haben und macht deren Schicksal zum Dreh- und Angelpunkt dieses Krimis.

Der Fall hingegen, in dem Max Heller und sein Kollege Oldenbusch zu ermitteln haben, zeichnet sich von Anfang an durch eine gewisse Verworrenheit aus. Es fällt schwer, die jeweiligen Figuren im Auge zu behalten und zu erkennen, wie die beiden ungeklärten Todesfälle, die den Anfang dieser Geschichte bilden, miteinander in Verbindung stehen. Obwohl man dem charismatischen Max Heller, dessen dunkle Abgründe ihn auf faszinierende Weise sympathisch machen, gerne überall hin folgen würde, will es nicht so recht gelingen, sich auf dessen Ermittlungen wirklich einzulassen. Vieles wirkt schlicht und ergreifend zu konstruiert, um die Auflösung dieses mysteriösen Falles am Ende wirklich überzeugend zu gestalten. Unterm Strich überzeugt „Vergessene Seelen“ vor allem durch den engen historischen Bezug und Frank Goldammers Vermögen, die Essenz des von der sowjetischen Besatzung ausgelaugten Dresden auf unglaublich überzeugende Weise beim Leser ankommen zu lassen.

Oberkommissar Max Heller ermittelt in folgenden Fällen:
Der Angstmann
Tausend Teufel
Vergessene Seelen

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen