Die Frau, die liebte

Autor: Janet Lewis
Genre: Roman
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28155-3
Erscheinungsdatum (D) 29.03.18 Erschienen 1941
Seiten 144
Übersetzung Susanne Höbel

Die Frau, die liebte The wife of Martin Guerre

Inhalt

Bertrande und Martin sind elf Jahre alt, als sie miteinander verheiratet werden. Bertrande ist fast zwanzig, als ihr erster Sohn geboren wird, und trotz der Zwangsverheiratung scheint das Familienglück perfekt. Dann kommt es zum Streit zwischen Martin und seinem despotischen Vater, in dessen Folge Martin für einige Zeit weggehen will, wie er seiner jungen Frau erklärt. Geduldig wartet Bertrande auf die Rückkehr ihres Mannes, doch die Jahre vergehen, und irgendwann rechnet niemand auf dem Gut mehr mit Martins Heimkehr. Als Martin Guerre schließlich nach acht Jahren wieder auftaucht, ist Bertrande dreißig Jahre alt und außer sich vor Glück, und auch der inzwischen zehnjährige Sohn weicht seinem Vater von nun an nicht mehr von der Seite.

Bertrande bekommt ein weiteres Kind, das Gut blüht auf, und das Glück der Familie Guerre scheint perfekt. Doch von irgendwoher schleichen sich ganz allmählich Zweifel in Bertrandes Herz: Ist der Mann an ihrer Seite wirklich der, der er vorgibt zu sein? Wie konnte aus dem jähzornigen und selbstgerechten Martin jener gütige, verständnisvolle Mann werden, der all seinen Schutzbefohlenen mit liebevoller Zuwendung begegnet? Aus Bertrandes Liebe zu Martin wird zunehmend Hass, und schließlich entfesselt die verzweifelte Frau eine richterliche Untersuchung, die in einer Tragödie mündet…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

In „Die Frau, die liebte“ beschäftigt sich Janet Lewis mit einem der berühmtesten Rechtsfälle Frankreichs und entwirft ihre ganz eigene Interpretation der Geschehnisse, die im 16. Jahrhundert in einer Tragödie endeten. Lewis fokussiert ihren Blick auf Bertrande Guerre, Martins Ehefrau, aus deren Sicht dieser Roman erzählt wird. Dabei konzentriert sie sich ausschließlich auf die nüchterne Schilderung der Ereignisse und vermeidet es, Dinge zu interpretieren, Verhaltensweisen erklären zu wollen oder Gründe für die Irrwege ihrer Figuren zu suchen. Auch den Gerichtsprozess, der ein reiner Indizienprozess war, gibt sie nüchtern und sich auf die Tatsachen konzentrierend wieder. Hierbei entsteht das Bild eines unaufhaltsamen Prozesses, wodurch die Unentscheidbarkeit einer Schuld noch betont wird.

Obwohl es schwer fällt, Bertrandes Motive zu durchblicken, den Grund für ihr Handeln wirklich zu verstehen, kann man sich doch einer gewissen Bewunderung für die Geradlinigkeit dieser Figur nicht erwehren. Lewis gelingt es, die strikte Moral der katholischen Kirche im sechzehnten Jahrhundert überzeugend herauszuarbeiten, der Bertrande als Frau völlig unterworfen ist. Die absolut patriarchalisch geprägte Welt jener Zeit dringt durch jede Zeile von „Die Frau, die liebte“ und entwirft ein düsteres, wenn auch sicherlich äußerst realistisches Bild. Janet Lewis hat mit „Die Frau, die liebte“ einen verstörenden und zugleich kraftvollen Roman erschaffen, der von einer Frau erzählt, die in ihrer Ernsthaftigkeit und Tapferkeit über die Konventionen ihrer Zeit hinauswächst.

Janet Lewis’ Novelle „Die Frau, die liebte“ wurde 1993 unter dem Titel „Sommersby“ mit Jodie Foster und Richard Gere verfilmt. Lewis sagte dazu: „Ich habe davon gehört. Es ist die Martin-Guerre-Geschichte, aber ich muss sie nicht unbedingt sehen.“


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