Seht, was ich getan habe

Autor: Sarah Schmidt
Genre: Roman
Verlag: Pendo
ISBN: 978-3-86612-435-6
Erscheinungsdatum (D) 01.02.18 Erschienen 2017
Seiten 384
Übersetzung Pociao

Seht, was ich getan habe See What I Have Done

Inhalt

Blutüberströmt und grässlich verstümmelt liegt er auf dem Sofa: Lizzie Bordens Vater. Kurz darauf wird auch Lizzies Stiefmutter im oberen Stockwerk gefunden – sie wurde, ebenso wie ihr Ehemann, mit einer Axt verstümmelt und ermordet. Die hinzu gerufene Polizei kann an diesem 04. August des Jahres 1892 keine weiteren Spuren ausmachen, findet aber schnell eine vermeintlich Schuldige: Lizzie. Die kann sich offenbar nicht mehr genau erinnern, wo sie sich zum Zeitpunkt der Morde aufhielt und verwickelt sich immer stärker in Widersprüche. Auch das schüchterne Hausmädchen Bridget kann wenig zur Aufklärung der schrecklichen Todesfälle beitragen.

Während die Nachbarn in Fall River, Massachusetts sich den Kopf zerbrechen, wie einer derart angesehen Familie wie den Bordens etwas derart Schreckliches zustoßen kann, beginnt die Gerüchteküche zu brodeln. Doch keiner ahnt, welche Tragödien sich im Hause Borden tatsächlich zugetragen haben, wie sehr ein jährzorniger und liebloser Vater, eine boshafte Stiefmutter und zwei vereinsamte Schwestern unweigerlich auf eine furchtbare Katastrophe zugesteuert sind…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

In ihrem Debütroman „Seht, was ich getan habe“ versucht die Autorin Sarah Schmidt zwei tragischen Mordfällen auf den Grund zu gehen, die bis zum heutigen Tag nicht aufgeklärt sind. Sie lässt dabei die schrecklichen Ereignisse aus der Perspektive der flatterhaften und unreifen Lizzie Borden, ihrer zehn Jahre älteren Schwester Emma, dem schüchternen Hausmädchen Bridget und dem geheimnisvollen Benjamin wieder aufleben. Mit Lizzie Borden entwirft sie eine Protagonistin, die alles andere als sympathisch ist, deren zwiegespaltene Persönlichkeit und intrigantes Verhalten einen regelrecht abstoßen. Auf der anderen Seite stehen aber der viel zu frühe Verlust der geliebten Mutter, die verzweifelte Suche nach Zugehörigkeit und Liebe und die permanenten Wutausbrüche eines despotischen Vaters, die Lizzies Verhalten zumindest ansatzweise verstehbar machen. Indem Schmidt immer wieder die Erzählperspektive wechselt, entsteht das umfassende Bild einer sich anbahnenden Tragödie, die mehr als nur ein Opfer fordert.

Sarah Schmidt spart nicht mit rüden Worten, übernimmt die oftmals derbe Sprache jener Zeit und beschäftigt sich manchmal ein bisschen zu viel mit den Körperausdünstungen und –ausscheidungen ihrer Protagonisten. Das ist des Guten hin und wieder zuviel, was zur Folge hat, dass man sich nicht nur von Lizzie Borden, sondern von der Geschichte an sich abgestoßen fühlt und dadurch in seinem Urteil nicht mehr neutral sein kann. Schmidt versucht mit ihrem Roman, diesen wahren Mordfall zu rekonstruieren, lässt das Ende aber dennoch offen – was auch gut ist, denn eine überzeugende Antwort vermag weder sie noch irgendjemand anders nach all diesen Jahrzehnten noch zu geben.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen