Wir sehen dich

Autor: Stephanie Marland
Genre: Thriller
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-21749-1
Erscheinungsdatum (D) 31.08.18 Erschienen 2017
Seiten 432
Übersetzung Christine Blum

Wir sehen dich My Little Eye

Inhalt

In London treibt ein grausamer Mörder sein Unwesen, der als „Lover“ bekannt ist und auf äußerst beängstigende und unheimliche Weise vorgeht. Als eine junge Frau in ihrem Schlafzimmer gefunden wird, die von ihrem Mörder sorgfältig zurecht gemacht und auf ihrem Bett von Rosenblättern umgeben drapiert wurde, ist sofort klar, dass es sich hier um ein weiters Opfer des „Lover“ handelt. Der zuständige DI Dominic Bell gerät zusehends unter Druck, hat er bisher doch so gut wie gar nichts vorzuweisen und sieht sich vor ein immer größer werdendes Rätsel gestellt.

Währenddessen formiert sich im Internet eine Gruppe von True-Crime-Fans, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, der Polizei zuvorzukommen und den „Lover“ zu überführen. Die Internet-Forscherin Clementine Starke möchte unbedingt beweisen, dass es einer solchen losen Gemeinschaft von True-Crime-Fans möglich ist, einen laufenden Mordfall zu lösen. Aus diesem Grund schließt sie sich der Gruppe „True Crime London“ an und wird schnell in den inneren Zirkel aufgenommen, dessen Mitglieder bestimmte Aufgaben zu erfüllen haben. Um an relevante Hintergrundinformationen zu kommen, geht Clem immer höhere Risiken ein und kommt schließlich sogar mit DI Bell in Kontakt. Was sie allerdings nicht ahnt ist, dass der „Lover“ sie längst im Visier hat – und ihr vor allem viel näher ist, als sie glaubt…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Es ist eine zugegebenermaßen äußerst ungewöhnliche und faszinierende Idee, die Stephanie Marland in ihrem Thriller „Wir sehen dich“ verarbeitet: Eine Gruppe von True-Crime-Fans hat es sich zum Ziel gesetzt, die Aufgaben der Polizei zu übernehmen und diese schließlich bei der Lösung des Falls zu überrunden. Gerade die Tatsache, dass die Mitglieder von „True Crime London“ einander nicht persönlich kennen, ja nicht einmal wissen, wie deren Klarnamen lauten, steigert natürlich die Spannung. Doch gerade die Chat-Unterhaltungen dieser Gruppe tragen dazu bei, dass immer wieder Tempo aus der Geschichte herausgenommen und der Spannung ein Dämpfer versetzt wird. Die Unterhaltungen innerhalb der Gruppe lesen sich einfach zu sperrig und unterbrechen immer wieder den Lesefluss. Auch Clementines halsbrecherische Versuche, an interne Informationen über den „Lover“ zu kommen, wirken stellenweise einfach zu unglaubwürdig, als dass sie sich wirklich stimmig in die Geschichte einfügen würden.

Die vielen Verwicklungen und Verstrickungen, die die Leben der beiden Protagonisten Dom und Clem bestimmen, sind nicht nur völlig unübersichtlich, sondern machen die Handlung noch unnötig kompliziert. Es fällt schwer, hier noch einen roten Faden zu erkennen und am Ende das große Ganze mühelos zu erkennen. Auch wenn Stephanie Marland in „Wir sehen dich“ eine wirklich innovative Idee umsetzt, will dieser Thriller den Leser einfach nicht so recht packen. Am Ende hat man den Eindruck, dass hier einfach zu viel in eine Geschichte gepackt wurde, die genug Potential gehabt hätte, auf schlichte Art und Weise zu überzeugen.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen