Der letzte Pilger

Autor: Gard Sveen
Genre: Krimi
Verlag: List
ISBN: 978-3-471-35116-1
Erscheinungsdatum (D) 26.02.16 Erschienen 2013
Seiten 539
Übersetzung Günther Frauenlob

Der letzte Pilger Den siste pilegrimen

Inhalt

Im Frühjahr 2003 wird in Oslo der ehemalige Widerstandskämpfer Carl Oscar Krogh auf unfassbar brutale Weise ermordet. Kommissar Tommy Bergmann steht vor einem Rätsel, denn Krogh stand im Krieg offenbar stets auf der richtigen Seite und war auch in hohem Alter noch allseits beliebt und geschätzt für seinen mutigen Widerstand im Zweiten Weltkrieg. Wer also sollte einen Grund gehabt haben, den alten Mann zu ermorden und noch dazu auf derart bestialische Weise? Bergmann, der von Selbsthass zerfressen ist und sich mit Schuldgefühlen und Einsamkeit plagt, weil seine letzte Beziehung durch seine Schuld auf tragische Weise endete, streckt seine Fühler in sämtliche Richtungen aus. Als er hört, dass kurz vor Kroghs Ermordung in der Nordmarka drei Leichen gefunden wurden, unter ihnen ein kleines Mädchen, beginnt er, einen Zusammenhang zu erahnen. Denn eine der Leichen, die offenbar schon mehrere Jahrzehnte unter der Erde liegen, wird als Agnes Gerner identifiziert, die damals Agentin des Widerstandes war.

Doch die Frage, warum Krogh Jahrzehnte nach dem Krieg umgebracht wurde, treibt Bergmann immer weiter um. Seine Ermittlungen ziehen ihn immer tiefer hinein in einen Sumpf aus Täuschung, Intrigen und den erbitterten Kampf ums Überleben. Am Ende muss der Kommissar erkennen, dass nicht immer alles so ist, wie es zunächst erscheint – und dass auch gute Absichten Böses hervorbringen können…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Der norwegische Staatswissenschaftler Gard Sveen legt mit seinem Debütroman „Der letzte Pilger“ einen ebenso packenden wie akribisch genau recherchierten Krimi vor, der die abgrundtief finsteren Zeiten des Dritten Reichs mit einer hoch spannenden Mordermittlung in der Gegenwart verstrickt. Ein norwegischer Widerstandskämpfer wird Jahrzehnte nach Kriegsende ermordet, die Motive dafür bleiben zunächst rätselhaft. Es gelingt Sveen dabei, alles in ein verwirrendes Halblicht zu tauchen und seine Leser, wie auch Kommissar Tommy Bergmann, weitestgehend im Dunkeln tappen zu lassen. Stück für Stück blättert er dabei eine Geschichte auf, die sich mit dem Widerstand, intriganten Machenschaften und übler Korruption befasst, einer Geschichte, die bis in die Gegenwart hineinreicht.

Schonungslos offen beleuchtet Sveen seine Hauptfigur, den völlig desillusionierten Kommissar Tommy Bergmann, der seiner letzten Freundin gegenüber wiederholt gewalttätig geworden war und nun mit seinen Schuldgefühlen und seiner Einsamkeit nicht klarkommt. Bergmann ist ein Wrack, wie es im Buche steht und unterscheidet sich doch von den unzähligen Ermittlern dieser Sorte, die wir ja schon zur Genüge kennen. Denn Bergmann ist mehr, als der vom Leben enttäuschte und gezeichnete Kommissar, seine Dialoge mit sich selbst wirken äußerst erfrischend und authentisch und lassen auf die eine oder andere interessante Leiche im Keller hoffen.
Voller Spannung blickt man nach der Lektüre von „Der letzte Pilger“ dem nächsten Fall Tommy Bergmanns entgegen – denn langweilig wird es mit diesem Kommissar vermutlich so schnell nicht werden.

Gard Sveens Debütroman „Der letzte Pilger“ wurde mit dem Rivertonpreis und dem Glass Key Award, dem Preis für den besten Krimi Skandinaviens, ausgezeichnet.

„Der letzte Pilger“ ist der Auftakt einer Reihe um den Ermittler Tommy Bergmann.


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