Die siebte Stunde

Autor: Elisabeth Herrmann
Genre: Krimi
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-48470-6
Erscheinungsdatum (D) 04.12.08 Seiten 445

Die siebte Stunde

Inhalt

Joachim Vernau und seine Kanzleipartnerin Marie-Luise haben ernsthafte finanzielle Probleme. Die Miete kann nicht gezahlt werden, das Auto gibt den Geist auf, und für den täglichen Bedarf müssen sie die Kaffeekasse plündern. Da kommt das Angebot einer Privatschule gerade recht: Vernau soll dort Unterricht geben, einmal die Woche den so genannten „Teen-court“ betreuen. Hier werden fiktive „Fälle“ und tatsächliche Vorkommnisse besprochen und verhandelt. Da dieser Job mehr als gut bezahlt wird, willigt Vernau ein.
Doch zum Unterrichten kommt er nicht wirklich, denn schon sehr schnell stellt er fest, dass in seiner Klasse und generell an der Schule irgendwas nicht stimmt. Der Selbstmord einer Schülerin im letzten Jahr liegt unter einem Mantel des Schweigens, die Schüler spielen seltsame Spiele, die alles andere als harmlos sind und werden offensichtlich unter Druck gesetzt von einer Macht, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. Vernau gibt sich redlich Mühe, Licht in das Dunkel zu bringen, erhält aber von keiner Seite Unterstützung. Die Lage spitzt sich zu, als eine Schülerin fast vergiftet wird. Doch auch das wird verharmlost. Aber Vernau gibt nicht auf, er gräbt weiter und stößt dabei auf Dinge jenseits seines Vorstellungsvermögens, auf Dinge, die auch ihn selbst bald in Gefahr bringen …

Buchkritik von Angelika  Koch

„Die siebte Stunde“ ist weit mehr als ein Kriminalroman. Es ist ein Buch über Menschen, die verbrannte Erde zurücklassen, ohne sich umzudrehen, über Menschen, die nicht sehen und hören wollen, über Menschen, die ihre Rollen spielen, egal was es kostet und nicht zuletzt über Menschen, die am Rande stehen und schlussendlich ihre Konsequenzen daraus ziehen. Man könnte gerade zum Schluss des Buches der Versuchung erliegen, die Handlung als überzogen zu erachten, aber tatsächliche Ereignisse in Schulen, wie scheinbar sinnlose Amokläufe, katapultieren das Buch wieder zurück in den Rahmen des Möglichen. Und das macht es fast unerträglich. Dies ist definitiv kein Buch, das man einfach so in das Regal zurückstellen kann. Es hinterlässt Spuren in den eigenen Gedanken und Ängsten. Man wird spätestens bei dieser Geschichte dazu gezwungen, vieles aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Elisabeth Herrmann ist wortgewaltig, das steht fest. Aber in „Die siebte Stunde“ läuft sie zu Höchstformen auf. Der Plot ist stimmig, überaus spannend, gespickt mit bösen Überraschungen, und über allem liegt etwas derart Sinistres, dass einem der Atem stocken muss. Dazu hin aber gelingt es ihr trotzdem, mit viel Wortwitz den Leser immer wieder mal zum Lachen zu bringen. Das alles macht das Buch zu einem Höchstgenuss des Lesens. Großartig geschrieben, großartig erzählt, großartig recherchiert. Da gibt es an keiner Stelle was zu meckern.

Die Joachim Vernau Reihe umfasst folgende Bücher:
Das Kindermädchen
Die siebte Stunde
Die letzte Instanz
Versunkene Gräber
Totengebet

Jan Josef Liefers spielt Joachim Vernau in der gleichnamigen TV-Serie im ZDF.

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