Wolfsbeute

Autor: Bernard Minier
Genre: Thriller
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-30458-7
Erscheinungsdatum (D) 01.08.16 Erschienen 2014
Seiten 656
Übersetzung Antoinette Gittinger

Wolfsbeute N´éteins pas la lumière

Inhalt

Die äußerst erfolgreiche Radiomoderatorin Christine Steinmeyer hat ihr Leben im Griff: Im Job könnte es nicht besser laufen, ihr Lebensgefährte Gérald ist gerade im Begriff, sie seinen Eltern vorzustellen und in ihrer eleganten Wohnung fühlt sie sich pudelwohl. Als sie an Heiligabend einen verstörenden Brief in ihrem Briefkasten vorfindet, in dem eine ihr unbekannte Person ihren Selbstmord ankündigt, glaubt Christine zunächst an einen Scherz. Sie ist der festen Überzeugung, der Brief sei versehentlich bei ihr gelandet und versucht verzweifelt, den richtigen Adressaten zu finden, um den angekündigten Selbstmord noch zu verhindern – allerdings vergebens. Als sich am nächsten Tag in ihrer Live-Radiosendung ein Mann zu Wort meldet, der sie für den Tod eines Menschen verantwortlich macht, nimmt das Unheil seinen Lauf.

Es wird in Christines Wohnung eingebrochen, ein Unbekannter uriniert auf ihren Fußableger und ihr geliebter Hund wird schwer verletzt. Sie findet in ihrer Wohnung eine CD mit Opernarien vor, die nicht ihr gehört, denn sie selber hasst Opern. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, der Terror nimmt bald noch viel verstörendere Formen an: Christine verliert ihren Job, Gérald wendet sich von ihr ab, und die Polizei nimmt Christines Ängste nicht einmal ansatzweise ernst. Das Leben der Radiomoderatorin entwickelt sich zusehends zu einem regelrechten Albtraum, in dem sie selbst keinerlei Kontrolle mehr hat. Noch ahnt sie allerdings nicht, dass Martin Servaz von der Toulouser Polizei, ohne es zu ahnen, in ihren Albtraum hineingezogen wird. Ihm wird die Schlüsselkarte eines Toulouser Hotels zugespielt – der Schlüssel des Zimmers 117, in dem sich vor einem Jahr eine Künstlerin auf grauenvolle Weise das Leben nahm…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Mit „Wolfsbeute“ legt Bernard Minier den dritten Fall von Commandant Martin Servaz vor und präsentiert dem erfahrenen Thriller-Leser ein wahres Meisterwerk der Spannungsliteratur. Selten gelingt es einem Autor, von der ersten Seite an eine derartige Spannung und sogartige Faszination auszuüben. Hier ist wirklich jedes einzelne Detail an der genau richtigen Stelle platziert, jeder Hinweis so gestreut, dass er für immer größere Verwirrung sorgt. Man kann sich dieser bitterbösen und durch und durch perfiden Geschichte in keiner Sekunde entziehen, auch wenn das, was Minier hier an Grausamkeit und Brutalität schildert, stellenweise kaum zu ertragen ist. Hin und wieder kann man einfach nicht anders, als fassungslos den Kopf zu schütteln und sich zu fragen, wie ein einzelner Mensch sich so viel Abscheuliches ausdenken kann.

„Wolfsbeute“ ist ein Thriller, der vor allem von seiner geschickt und durch und durch stimmig konstruierten Geschichte lebt, dessen Glanzstück aber die absolut authentisch gezeichneten Charaktere sind. Auch bei seiner Figurenzeichnung lässt Minier seine Leser in die Abgründe der menschlichen Seele blicken, ersinnt abartige und zutiefst gestörte Charaktere, die aber dennoch zutiefst glaubwürdig erscheinen. Der Autor veranstaltet von Anfang bis Ende ein verstörendes Verwirrspiel, lässt sich nur oberflächlich in seine Karten sehen und erzeugt dabei in jedem Augenblick Hochspannung. Bei „Wolfsbeute“ stimmt einfach restlos alles, und die Auflösung ist derart spektakulär und perfide, dass man auch Stunden hinterher nicht aufhören kann, noch einmal alles im Kopf Revue passieren zu lassen. Das Ende verspricht ein Wiedersehen mit Martin Servaz, dessen Geschichte noch nicht einmal ansatzweise erzählt ist – und das ist auch gut so!


Commandant Martin Servaz ermittelt in folgenden Fällen:
Schwarzer Schmetterling
Kindertotenlied
Wolfsbeute
Nacht
Schwestern im Tod

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen